Samstag, 9. Mai 2020

Rezension: Die Porzellan-Erbin - Unruhige Zeiten von Florian Busch

Titel: Die Porzellan-Erbin - Unruhige Zeiten
Autor: Florian Busch
Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 544 Seiten
Preis: 13,00 €
Erscheinungsdatum: 13.04.2020
ISBN: 978-3-442-20593-6

Die Porzellan-Erbin - Unruhige Zeiten als Taschenbuch

Handlung:

Deutschland 1866
Gräfin Thyra von Hardenstein und ihr Vater haben große Pläne. Das weiße Gold der Porzellanmanufaktur Strehlow soll nicht mehr nur für wohlhabende Menschen erschwinglich sein, sondern auch für einfache Leute, die nicht so viele finanzielle Mittel besitzen. Doch auf dem Heimweg einer Reise, zurück nach Hardenstein, kommt die junge Gräfin bei einem Kutschenunfall ums Leben. Und das ungeborene Kind scheinbar mit ihr...
Dafür gibt sich Wilhelm, der Anführer der kleinen Kolonne die Schuld. Immerhin hat er vom Grafen das Vertrauen bekommen und sollte seine Frau sicher wieder auf den Hof bringen...

Meinung:

Ich finde das Cover ganz nett, besonders gut gefällt mir die kunstvolle rote Schrift, welches für mich das Herzstück des gesamten Bildes darstellt. Dazu gibt es im Hintergrund, leicht verschwommen, ein schicke Villa, welche traumhaft aussieht. Auch die Umgebung hat viel Charme und sieht einladend aus. Im Vordergrund steht eine Dame mit einem aufwendigen Kleid, die sich das Gelände anschaut. Es ist nett anzusehen, doch mittlerweile habe ich das Gefühl, diese Art von Cover schon oft gesehen zu haben, sodass es mich nicht mehr umhaut. In einer Buchhandlung würde ich es mir auf jeden Fall anschauen, der Titel hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und anhand des Bildes erwarte ich einen historischen Roman, der einige Geheimnisse in sich birgt und eine nette Geschichte beinhalten könnte.

Wie auf ganz viele andere Bücher zuvor wurde ich auf diesen Roman durch die Vorschau aufmerksam. Mich hat sowohl die Handlungszeit gefallen, als auch die kurze Inhaltsangabe und besonders reizvoll empfand ich den Aspekt des Porzellans. So war ich mehr als glücklich, das Buch als Rezensionsexemplar zu erhalten und habe mich riesig auf das Lesen gefreut.

Beim ersten Aufschlagen des Buches erwarten den Betrachter direkt zwei Highlights. Auf den Umschlaginnenseiten gibt es zum einen ausführliche Karte des Gutshofes Hohensandau, wo allerhand Gebäude verzeichnet sind und man sich davon ein sehr genaues Bild machen kann. Außerdem ist es so leichter, diverse Wege der Protagonisten nachzuverfolgen und Entfernungen einzuschätzen. Zum anderen befindet sich am Ende des Buches ein Stammbaum der wichtigsten Familien, man kann sie so schon vor dem Lesen kennenlernen, gleichzeitig werden hier auch Details verraten, die erst im Roman vollzogen werden und kleine Aspekte der Handlung werden vorweggenommen.

So leicht hat es mir der Roman nicht gemacht. Anfangs musste ich mich an die Sprache gewöhnen, die ungewohnt war und einen sehr angenehmen Anspruch hatte. Ich brauchte gute hundert Seiten, um damit besser klarzukommen und mich etwas zu entspannen. Oft haben die Sätze einen tieferen Sinn, den ich nur durch aufmerksames Lesen erfasst habe und die nicht nur auf das Leben der Protagonisten zutreffen. An vielen verschiedenen Stellen, besonders den Handlungsorten, hatte ich Bilder vor Augen. Besonders der Gutshof wurde mit leuchtenden Worten beschrieben, die lebendig wirkten und ein klares Bild des Hauptsettings gaben.

Ein weiteres Problem meinerseits ist der nicht ganz passende Klappentext, der andere Erwartungen geschürt hat. Ich habe beim Lesen immer wieder darauf gewartet, dass Sophie auftaucht und man sie als Leser kennenlernt. Doch dies geschieht erst auf den letzten vielleicht 50 Seiten, erst dann nimmt die geheimnisvolle Frau eine größere Rolle ein. Und selbst dann wird die Handlung nicht so wie ich erwartet hatte. Ich weiß nicht, wie ich meine Gedanken dazu teilen soll, das Risiko etwas von der Geschichte vorwegzunehmen und zu spoilern ist zu groß, weshalb ich hier nur so vage bleiben kann.
Auf jeden Fall musste ich mich auch an die Geschichte gewöhnen, nicht Thyra oder Sophie stehen im Mittelpunkt, sondern eher der Wilhelm und seine Frau Theresa, beides Mitglieder des Gesindes des Gutshofes. Das kam für mich sehr überraschend, immerhin finden beide im Klappentext keine Erwähnung, weshalb ich nie gedacht hätte, dass sie am Ende als Hauptprotagonisten dastehen.

Als ich mich irgendwann an diese andere Situation gewöhnt habe, konnte ich der Geschichte mit mehr Interesse und Ruhe folgen, wobei ich mich trotzdem immer gefragt habe, wann denn nun die angeteaserte und erwartete Erzählung beginnt.
Im Grunde konzentriert sich die Handlung irgendwann vollkommen auf Wilhelm und Theresa. Hier gibt es zwei Erzählperspektiven, die beide an unterschiedlichen Orten spielen. Theresa ist mit ihrem Kind auf Gut Hohensandau geblieben, steht weiterhin im Dienste des Grafens und bietet verschiedene Einblicke auf das Leben dort, den Umgang unter den Mägden und ihre alltägliche Arbeit mit diversen Sorgen.
Wilhelm hingegen hält sich an einem anderen Ort auf, den ich nicht zu genau benennen mag, aufgrund von möglichen Spoilern. Auf jeden Fall sieht man bei seinen Abschnitten deutlich den Fortschritt der Zeit, gerade im Zusammenhang mit der Eisenbahn und wie diese neue Transportmöglichkeit verschiedene Teile des Landes verbindet.
Leider haben sich die Kapitel von Wilhelm etwas gezogen, sie hatten für mich ein paar Längen und konnten nicht so überzeugen. Ich habe immer auf Theresas Abschnitte gewartet und diese mit deutlich mehr Interesse gelesen. Sie wirkten lebendiger und ich mag es allgemein sehr gerne von dem Alltag auf Gutshöfen zu lesen.

Geschickt in die Handlung eingebunden wurden diverse historische Details. Diese tauchten teilweise in größerer Anzahl auf, dann kam wieder seitenweise nichts. Auf jeden Fall waren sie immer leicht verständlich, man konnte sie fast nebenbei aufnehmen und in einen Zusammenhang bringen.
Besonders hat mich hierbei der Aspekt des Porzellans interessiert. Dieses umgab eine geheimnisvolle Aura und es ist nur schwer vorstellbar, dass es zu der damaligen Zeit ein Luxusgut ist, wo es doch heute selbstverständlich zu einem jeden Haushalt dazugehört. Gerade den Anfang in der Porzellanfabrik der Familie Strehlow habe ich verschlungen und hatte deshalb erwartet, dass dieser Aspekt auch im Folgenden noch vermehrt auftauchen wird. Doch leider wird das Thema bis zum Ende fast nicht mehr angesprochen, was ich sehr schade fand. Immerhin deutet schon der Titel auf das weiße Gold hin und ich hatte mit noch mehr Details dazu gerechnet.
Es wurde gut beschrieben, wie sich das Zusammenleben auf einem Gutshof, aber auch in einem Dorf mit den unterschiedlichen Hierarchien gestaltet. Diese Standesunterschiede und das Ansehen der verschiedenen Familien war einleuchtend und brachte nochmals Authentizität in den Roman.

Als Setting dient vor allem der Gutshof, dazu gibt es anfangs noch ganz wunderbare Kapitel in der Strehlowschen Porzellanfabrik und diverse andere Orte, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen werde. Am besten vorstellen konnte ich mir stets den Gutshof. Schon durch die angesprochene Skizze am Anfang fiel es mir leicht, mir diesen vorzustellen und auch die Beschreibung des Autors regt meine Fantasie an, mir das Gelände vorzustellen. Ich mochte die Kapitel dort am liebsten, sie hatten einen bestimmten Charme und wirkten ganz natürlich und bodenständig. Zudem ist der Besitz des Grafen so weitläufig, dass man davon gar nicht gelangweilt sein kann.
Und obwohl die Porzellanfabrik für mich eine Dimension hatte, die ich mir größentechnisch schwerlich vorstellen konnte, war sie doch auf ihre Art sehr ansprechend. Die Produktionsräume ließen lebendige und farbenfrohe Bilder entstehen, teils hatte ich das Gefühl, mit in den Räumen zu stehen und alles mit eigenen Augen zu sehen.

Es gibt eine große Anzahl an Protagonisten, die mit den unterschiedlichsten Charakteren und Wesen ausgestattet wurden. Ganz viele empfand ich als wunderbar gezeichnet und durchdacht. Sie wirkten unfassbar lebendig und erschienen wie aus dem Leben gegriffen. Sie gehen nicht ohne Probleme durchs Leben, haben auch immer mal mit Hürden zu kämpfen und wirken so meist sehr lebendig und realistisch in ihrer Darstellung. Sie sind nicht zu stark und unverletzbar gezeichnet, ein jeder hatte Schwächen und war in seinem Handeln nicht perfekt. Man konnte frei entscheiden, wen man sympathisch findet und bei einigen Personen konnte man sich leicht von der Fassade täuschen lassen. An solchen Textstellen wurde gezeigt, dass man Menschen erst besser kennenlernen muss, bevor man sich ein Urteil erlaubt.
Tatsächlich empfand ich Wilhelm als schwierigsten Protagonisten. Ich kann selbst nicht genau benennen, was mir an seiner Person nicht gefallen hat. Im Grunde ist er recht sympathisch und freundlich, er schafft es, sich aus den schwierigsten Situationen wieder aufzurappeln und nach einem neuen Weg zu suchen. Doch trotzdem wurde ich mit ihm nie so warm, für mich war er ein merkwürdiger Charakter, zu dem ich einfach keinen Zugang gefunden habe.

Fazit:

Über meine Erwartungen und den nicht passenden Klappentext habe ich ausreichend gesagt. Ich konnte mich immer mehr mit der Handlung anfreunden und die Geschichte konnte mich auch mehr überzeugen. Ich fand sie nicht perfekt, doch es gibt trotzdem zahlreiche Aspekte, die mein Interesse auf Band zwei geweckt haben, welchen ich am liebsten direkt lesen würde.
Wahrscheinlich hat mich das Buch etwas enttäuscht, weil ich mit einer komplett anderen Geschichte gerechnet habe, ich hatte erwartet, dass man fast nur in der feineren Welt, der Welt des Adels, verkehrt, viel Zeit in einer Porzellanfabrik verbringt und das Leben der Dienstboten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Wenn der Klappentext explizit auf die tatsächliche Handlung eingegangen wäre, hätte ich eine andere Erwartungshaltung gehabt und wäre entspannter in die Handlung gestartet.
So habe ich einige Zeit überlegt, was ich dem Buch für eine Bewertung gebe. Immerhin ist es im Grunde nicht schlecht und ich will nicht die fehlerhafte und nicht ganz dem Inhalt entsprechende Beschreibung des Romans als negativ darstellen und dafür Sterne abziehen. Deshalb ziehe ich für die sich ziehenden Kapitel von Wilhelm und den zu selten auftauchenden Aspekt des Porzellans und dessen Herstellung, sowie dem holprigen Start in das Buch gesamt anderthalb Sterne ab.

Bewertung: 3,5 von 5 Sterne

MarySophie 

Vielen Dank an den Goldmann Verlag, sowie das Bloggerportal für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Interesse? Hier findet ihr den Roman!

Mittwoch, 6. Mai 2020

Rezension: Neuleben von Katharina Fuchs

Titel: Neuleben
Autorin: Katharina Fuchs
Verlag: Droemer HC
Seitenzahl: 480 Seiten
Preis: 19,99 €
Erscheinungsdatum: 01.04.2020
ISBN: 978-3-426-28211-3
 
Neuleben als Buch (gebunden)

Handlung:

Berlin der 1950er Jahre
Therese Trotha lebt mittlerweile in Berlin, wo sie ihrem Wunsch nachgehen kann und Jura studiert. Doch ihr Studium gestaltet sich als kompliziert, sind doch viele Professoren und Kommilitonen nicht daran gewöhnt, dass Frauen nun ebenfalls studieren können. Nicht nur Therese, sondern auch die zweite Studentin in diesem Jahrgang müssen sich besonders beweisen und sind darauf erpicht, bestmögliche Leistungen zu erbringen. Und besonders Therese ist in sehr willensstark und gibt nicht so leicht auf.

Zeitgleich steht ihre baldige Schwägerin Gisela vor einer anderen Entscheidung. Die Hochzeit steht bevor und ihr Ehemann in spe wünscht sich, dass sie, sobald sich das erste Kind ankündigt, ihre Arbeit als Schneiderin kündigt und sich vollkommen auf ihr Dasein als Ehefrau und Mutter konzentriert. Doch das will die junge Frau absolut nicht, immerhin hat sie schon einige Pläne für die Zukunft und ist an der Nähmaschine besonders begabt....

Meinung:

Das Cover ist farblich etwas nüchtern gehalten und besticht durch zahlreiche verschiedene, recht kühle Blau-Töne. Es sind zwei Damen zu sehen, beide drehen dem Betrachter den Rücken zu, wirken vertraut und scheinen miteinander zu plaudern. Einerseits finde ich das Bild recht schön und passend, es hat einen nostalgischen Hauch. Nicht nur durch den Kleidungsstil, sondern auch durch den leicht verschwommenen und altmodischen Touch des Bildes. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass man es leicht übersehen kann, allein durch das Cover zeichnet sich das Buch nicht aus.
Schon als ich letztes Jahr „Zwei Handvoll Leben“ von der Autorin gelesen habe, fand ich es unglaublich interessant, dem Entstehungsprozess bei Instagram zu folgen. Und genau das hat mir auch bei diesem Buch wieder gefallen, mein Interesse wurde immer weiter gestärkt und ich war so froh, dass der Erscheinungstermin immer näher gekommen ist. Für mich stand außer Frage, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte und bin dem Droemer Knaur Verlag sehr dankbar, dass ich ein Rezensionsexemplar des neuen Buches erhalten habe.

Ein ganz besonderes Detail wartet direkt bei dem ersten Aufschlagen auf den Leser. In den Umschlaginnenseiten gibt es einen Stammbaum, der einen weitreichenden Ausblick in die Vergangenheit der Autorin Katharina Fuchs gibt. Man kann sich bereits mit den Protagonisten vertraut machen und sich einige Details aus dem ersten Band wieder in Erinnerung rufen. Zudem sind so die wichtigsten Personen auf einen Blick vereint.

Das Problem bei mir war, dass ich so gespannt auf das Buch war, sodass meine Erwartungen stark gestiegen sind. Und ich anfangs etwas enttäuscht wurde. Ich hatte große Probleme damit, in den Roman zu starten und bei der Sache zu bleiben. Für mich haben sich ungefähr die ersten hundert Seiten gezogen, ich fand die Handlung nicht direkt spannend und hatte kleine Schwächen dabei, mich an einige Details aus dem ersten Band zu erinnern. Das alles hat mir den Einstieg etwas erschwert und ich hatte schon ein wenig Angst, dass ich mich durch das Buch quälen müsste. Was am Ende glücklicherweise nicht eingetreten ist, nach ungefähr dem ersten Viertel des Buches ging mein Eindruck stetig nach oben. Nicht nur war ich irgendwann in der Handlung angekommen und konnte mich ganz darauf einlassen, sondern die Geschichte wurde immer spannender und auch die Schreibweise hat mir sehr zugesagt. Ich konnte das Buch mit der Zeit nur noch schwer aus der Hand legen und habe schließlich die letzten 200 Seiten innerhalb von wenigen Stunden verschlungen.

Anfangs hatte ich Probleme mit der Schreibweise. Sie ließ sich nicht so flüssig lesen wie erhofft und war etwas hölzern. Die Szenen, aber auch die Protagonisten erschienen nicht so lebendig und menschlich. Nach gut hundert Seiten waren diese negativeren Eindrücke vollkommen weg, ich fand die Geschichte sehr lebendig und es besserte sich alles ins positive. Die Sprache wurde immer flüssiger und ließ sich dadurch auch besser lesen, Situationen erschienen immer authentischer und ließen teils ein lebendiges und farbenfrohes Bild vor meinen Augen entstehen.

Gerade bei jenen Kapiteln, die auf dem Gut Feltin stattfinden entstand eine ganz besondere Stimmung. Nicht nur die Beschreibungen der Gegend war unglaublich gut und ausführlich beschrieben, dort wirkte die Stimmung am stärksten und ließ eine Gänsehaut-Atmosphäre entstehen. Ich glaube, dass mir die Kapitel dort fast sogar am meisten gefallen haben, denn sie ließen viele Erinnerungen an den ersten Band lebendig werden.
Ansonsten findet die Handlung vor allem in Berlin statt. Die Stadt wirkt auf mich recht grau und düster, nur wenige Handlungsorte erstrahlten in einem ganz besonderen Licht. Dazu zählt vor allem das KaDeWe, welches auch hier wieder verheißungsvoll und einladend erscheint und welches besonders viele Bilder vor meinen Augen entstehen ließ. Ich bin froh, dass es auch diesmal wieder eine Rolle spielt, fast hätte ich mir noch ein bis zwei mehr Szenen dort gewünscht.

Es findet eine Erzählsituation aus fünf verschiedenen Sichtweisen statt. Bei der von Charlotte war ich mir etwas unsicher, ob sie unbedingt sein musste. Im Grunde war sie nicht entscheidend für die Handlung, war eher ein netter Zusatz, der noch einen anderen Blick auf die Charaktere erlaubt.
Die anderen vier Erzählperspektiven waren alle für die Handlung sehr wichtig und haben nicht nur verschiedene Einblicke zueinander gegeben, sondern auch zu der politischen Situation. Zudem konnte man sich selbst auch einen besseren Blick auf die Protagonisten erlauben und sie besser kennenlernen, einschätzen und so auch die Handlungen bewerten.
Die Handlung blieb so stets abwechslungsreich und es konnte nie Langeweile entstehen. Man wurde als Leser auch dazu angeregt, das Buch nur ungern aus der Hand zu legen, es gab öfter mal am Ende von Kapiteln einen kleinen Cliffhanger, der natürlich viel Spannung erzeugt hat.

Therese studiert Rechtswissenschaft und mir war bewusst, dass ihr Studium eine nicht unbedeutende Rolle einnehmen wird. Für mich nahm der Umfang dessen zu große Maße an. Oft wurden verschiedene Fälle detaillierter dargestellt, wo ich mich nur sehr schwer rein denken konnte und auch ein wenig Verständnisprobleme hatte. An diesen Stellen fiel mir das Lesen wieder ein klein wenig schwerer und ich war froh, wenn die Abschnitte rund um rechtliche Details zu Ende waren.
Ich fand es schade, dass gerade Therese sich so viel mit dem Recht befasst, ansonsten war sie mir wirklich am sympathischsten und ich mochte ihre Kapitel am meisten. Einige Charakterzüge habe ich an mir wiederentdeckt und ich konnte mich mit Therese ein wenig identifizieren.

Es war einfach unglaublich zu lesen, was die verschiedenen Protagonisten erlebt haben und wie lebendig Katharina Fuchs sie werden lassen hat. Man merkt deutlich, dass die Autorin in einem sehr guten Kontakt mit ihnen steht und sie deutlich charakterisieren kann. So entsteht eine starke Zeichnung und es ist aus so vielen Szenen herauslesbar, dass es sich hier um wirkliche Personen handelt, die teils noch leben, teils bereits verstorben sind. Am liebsten würde ich ganz viele davon kennenlernen und noch viele weitere Geschichten über die Vergangenheit aus ihrem Munde hören.
Passend zu diesen tatsächlich geschehenen, privaten Episoden der einzelnen Protagonisten gibt es auch immer wieder zahlreiche Details über die Politik und die allgemeine Geschichte der Bundesrepublik, damals noch zur Zeit der BRD und DDR. Hier fand ich es interessant, wie die verschiedenen Personen mit den politischen Sichtweisen und der allgemeinen Lage umgehen, sie kritisch hinterfragen und was manche planen... So wurde die Geschichte leicht und anschaulich vermittelt und ich denke, dass damit verschiedene Zielgruppen erreicht werden.
Diverse Ereignisse wurden geschickt in die Geschichte eingebunden und manche Informationen hat man fast schon nebenbei vermittelt bekommen und somit auch leicht aufgenommen. Man wurde mit Informationen nicht überschüttet und so habe ich mich auch nie überfordert gefühlt.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass mir besonders Therese sehr sympathisch ist und sie mein absoluter Lieblingscharakter ist. Ich mag ihren willensstarken Charakter sehr und sie scheint eine ganz besondere Person gewesen zu sein. Therese hat nie aufgegeben und mit der Zeit gelernt, dass sie eine unglaublich starke Frau ist, die ihren Weg gehen wird.. Ich habe oft mit ihr mitgefühlt und habe mir stets gewünscht, dass sie ihre Ziele erreichen wird. Und so wie ich Therese einschätze, wird sie genau das geschafft haben.
Viele der anderen Charaktere waren ebenfalls sehr lebendig gezeichnet und hatten ausdrucksstarke Wesen mit viel Persönlichkeit. Ein großer Teil war mir sympathisch und ich hatte viel Freude dabei, sie auf ihrem Weg zu begleiten und mit ihnen Zeit zu verbringen. Sie wirkten in ihrem Handeln sehr natürlich und hatten teils einnehmende Wesen, sodass man sie nur mögen konnte.
Es war sehr authentisch, dass die Protagonisten auch mal Probleme hatten und einige Wege im Stein liegen hatten. Sie hatten alle ihr Bündel zu tragen und kämpften sich aus Tiefpunkten und schlechten Situationen selbst wieder heraus.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass man als Leser frei entscheiden konnte, wen man mag und ob man eine Person als sympathisch einschätzt. Die Autorin überlässt diese Entscheidung vollkommen dem Leser und lenkt die Sympathien nicht in eine bestimmte Richtung.

Fazit:

Nach ein paar Startschwierigkeiten, die sich mit der Zeit komplett gegeben haben, hatte ich viel Freude dabei, das Buch zu lesen. Am liebsten hätte ich die Geschichte in einem Rutsch ausgelesen, ich musste mich immer ein wenig bremsen, um den Roman so lange wie möglich genießen zu können. Katharina Fuchs ist es wieder hervorragend gelungen, ihre Familiengeschichte nicht nur sehr spannend und eingängig darzustellen, sondern auch den Charakteren viel Persönlichkeit, Stärke und Lebendigkeit zu verleihen.
Ich werde leider trotzdem einen halben Stern in meiner Bewertung abziehen. Einmal für den nicht ganz runden Beginn des Buches, zum anderen für die doch sehr zahlreichen Szenen, in denen verschiedenste rechtliche Fälle dargestellt werden. Sie sollten zwar sicherlich dazu dienen, manche Situationen so nah an der Realität wie möglich darzustellen und lebendige Beispiele geben, doch ich habe mich damit schwer getan und konnte vieles nicht vollkommen nachvollziehen. Mir fehlt dafür wahrscheinlich das passende Hintergrundwissen, als auch das Interesse an der Rechtssprechung.
Ansonsten war das Buch einfach hervorragend, ich würde aber zum Verständnis empfehlen, auf jeden Fall beide Bände der Reihe zu lesen, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen und einfach die Vorgeschichte zu kennen. Ich freue mich auf mehr solcher stark recherchierten, ausdrucksvollen Bücher!

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
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Interesse? Hier findet ihr den Roman!

Meine Meinung zu Band 1: Zwei Handvoll Leben

Sonntag, 3. Mai 2020

Lesemonat April 2020

 Ein weiterer Monat ist vorbei und ich bin sehr zufrieden mit meinem Lesemonat. Insgesamt habe ich ganze acht Bücher gelesen, davon waren sieben Rezensionsexemplare und eines habe ich vor einiger Zeit selbst gekauft gehabt. Mein Ziel für die nächsten Monate ist es auf jeden Fall, mehr Bücher von meinem SUB zu befreien und diesen abzubauen. Ich hatte neulich einige Bilder dazu bei Instagram hochgeladen und da ist mir aufgefallen, dass es schon ein wenig eskaliert ist. 
Ich habe Bücher mit ganz unterschiedlichen Themen gelesen, ich war gedanklich sowohl an der Küste, als auch in Berlin, Manchester oder in Paris. Mit fast allen Büchern bin ich richtig zufrieden, nur eines hat mich leider enttäuscht und meine Erwartungen absolut nicht erfüllt. Dazu findet ihr weitere Informationen in meiner Rezension, die ich weiter unten verlinkt habe.
Es fällt mir ein bisschen schwer, ein direktes Highlight zu benennen, es waren einige sehr gute Bücher dabei, die mich auf ihre Art überzeugen konnten. Am Ende habe ich mich für den vierten Teil von Gut Greifenau entschieden. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einen vierten Teil braucht, nun freue ich mich bereits auf den fünften und bin froh, dass die Geschichte weitererzählt wird!
Mit den acht Büchern komme ich auf insgesamt 3696 gelesene Seiten, womit ich mehr als zufrieden bin. Trotzdem muss ich mir eingestehen, dass ich mit einer höheren Zahl gerechnet hätte, manche Bücher erschienen mir wohl dicker als sie wirklich waren... :)



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Die Spionin von Imogen Kealey
 (4,5/⭐⭐⭐⭐⭐)

Die Königin von Berlin von Charlotte Roth
 (2/⭐⭐⭐⭐⭐)

Das Erbe der Altendiecks von Hendrik Lambertus
 (4/⭐⭐⭐⭐⭐)

Der Zauberer von Oz von Lyman Frank Baum
 (5/⭐⭐⭐⭐⭐)

Gut Greifenau - Goldsturm von Hanna Caspian
 (4,5/⭐⭐⭐⭐⭐)

Inseltochter von Marlies Folkens
 (4/⭐⭐⭐⭐⭐)

Gezeitenstürme von Marlies Folkens
 (4/⭐⭐⭐⭐⭐) 

Die Tochter des Arztes von Kathryn Hughes
 (4,5/⭐⭐⭐⭐⭐)

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 Rezensionen:

 
 
 
 
 
 



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MarySophie

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