Donnerstag, 22. August 2019

Rezension: Die Schwestern vom Ku'damm - Jahre des Aufbaus von Brigitte Riebe

Titel: Die Schwestern vom Ku'damm - Jahre des Aufbaus
Autorin: Brigitte Riebe
Verlag: Wunderlich
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 19,95 €
Erscheinungsdatum: 23.10.2018
ISBN: 978-3-8052-0337-1


Handlung:

Berlin 1945
Der Krieg ist vorbei und die Menschen Berlins schöpfen langsam etwas Hoffnung für die Zukunft. Doch dafür müssen Sie erst die Stadt wieder aufbauen und von den Ruinen und Schutt befreien. Dabei helfen auch die Frauen der Familie Thalheim mit. Während des Krieges wurde ihr Kaufhaus am Ku'damm zerbombt, der Bruder ist im Krieg vermisst und die Villa wird von den Besatzern eingezogen.
Rike, die älteste Schwester, träumt heimlich davon, das Kaufhaus wieder aufzubauen, es noch schöner und prächtiger zu gestalten und Farbe in das triste und graue Berlin zu bringen. Dafür gibt es zwar haufenweise Ideen, doch es ist nicht ausreichend Geld vorhanden, um noch mehr Stoffe zu bezahlen.
Mit der Einführung der neuen Währungsreform scheint es zwar aufwärts zu gehen, doch an jeder Ecke lauern Probleme. Sowohl geschäftlicher, als auch privater Natur. Und eines Tages wird der Ruf des Kaufhauses, vor allem jedoch der Familie Thalheim angezweifelt und die Schwestern erkennen, dass man die Vergangenheit nicht einfach hinter sich lassen kann.

Meinung:

Das Cover ist sehr schlicht und einfach gehalten. Dazu trägt schon der weiß-beige Farbton im Hintergrund bei, auch die Dame wurde recht schlicht dargestellt und zeichnet sich durch eine blasse Haut aus. So zeigt sich, dass die Person selbst nicht so wichtig ist, sondern ihre Kleidung im Mittelpunkt steht, eines der Hauptthemen des Buches. Zusammen mit dem blau unterlegten Titel stellt die Dame die Dinge dar, die als erstes ins Auge fallen. Erst danach habe ich das Café Kranzler wahrgenommen. Insgesamt finde ich es wunderbar schlicht und einfach gehalten.

Von der Autorin habe ich bereits Bücher gelesen, wenn auch unter einem anderen Pseudonym. Sie haben mir wirklich gut gefallen, die Schreibweise war immer wunderbar und die Handlung wurde spannend gehalten. Dadurch, aber auch durch viel positives Feedback, dass ich zu dem Buch gelesen und gehört habe, war ich wirklich gespannt auf den Roman. Ich habe mich sehr auf das Lesen gefreut und nachdem ich das Buch schon lange lesen wollte, bin ich mit voller Vorfreude gestartet.

Der Prolog hat mir gefallen. Er spielt einige Jahre vor dem Beginn der eigentlichen Handlung, gibt ein erstes Bild auf die Protagonisten, die Stadt und liefert Zusammenhänge. Die Szenen waren lebendig und ich war sehr angetan davon. Leider lief es nicht ganz so gut weiter. Es gibt einen Zeitsprung von 13 Jahren, die Zeit ist eine andere und ich hatte Probleme, alles wahrzunehmen und tatsächlich fand ich die Schreibweise nicht perfekt. Insgesamt fand ich die folgenden Kapitel schwer, auch wenn die Handlung an sich spannend geschildert wurde. Insgesamt brauchte ich etwas Zeit um in das Buch zu finden, was ungefähr auf der 70 bis 80 Seite geschehen ist.
Danach hatte ich absolut keine Probleme mehr und habe voller Interesse weitergelesen. Die Schreibweise wurde entspannter und ich fand die beschriebenen Situationen lebhafter und klarer. Ich hatte das Gefühl, dass nun endlich die Haupthandlung beginnt und die Vorgeschichte vorbei ist.

Nachdem ich meine Startschwierigkeiten überwunden hatte, fand ich die Schreibweise viel angenehmer und diese war so, wie ich sie bereits kannte. Gleichzeitig vereint sie einen einfachen Charakter mit anspruchsvollen Details, die sich besonders anhand der politischen Details, sowie den Beschreibungen der Stadt auszeichnet. Diese waren unglaublich eingängig und schufen ein schonungsloses Bild.

Das Buch zeichnet sich zum einen durch die spannende Geschichte der Familie Thalheim aus, zum anderen durch die wunderbare, anschauliche Erklärung und Einbindung der politischen Lage in Deutschland. In die Handlung werden viele Ereignisse eingebunden, die der Geschichte einen großen Wahrheitsgehalt geben und auf offene Weise, ohne Schnörkel oder Verschönerungen die Situation wiedergeben. An vielen Stellen konnte ich noch etwas dazulernen und ich fand es richtig gut, dass es am Ende noch eine Aufstellung mit einigen Ereignissen in Berlin gibt, die das politische Geschehen von 1945 bis 1951 wiedergibt. So wurde das Wichtigste kurz zusammengefasst und man kann sich das Gelesene nochmals vor Augen rufen.
An vielen Stellen war ich erstaunt darüber, wie gekonnt die Autorin die historischen Ereignisse in die Handlung eingebunden hat, sodass es einen nahtlosen Übergang von Wahrheit und Fiktion gibt. Fast schien es so, als würde hier eine komplett wahre Geschichte erzählt werden.

Es findet eine Untergliederung in Kapitel statt, die meist recht umfassend sind und stets einen begrenzten Zeitraum beschreiben. Als Erzählinstanz dient hierbei ein allwissender Erzähler, der sowohl Einblicke in die Politik und die Lage der Stadt nach dem Krieg gibt, als auch in das Leben der Charaktere. So lernen wir als Leser eine überschaubare Anzahl an stetig wiederkehrenden Protagonisten kennen, die unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen Ambitionen und politischen Interessen sind. Es gibt leider kein Personenverzeichnis, was mir anfangs geholfen hätte, jedoch ist es auch so einfach, die Personen wiederzuerkennen und sich zu merken.
Vor allem in die Gefühls- und Gedankenwelt von Rike gibt es einige Einblicke, sie agiert als Hauptprotagonistin und auf ihrem Charakter liegt das Hauptaugenmerk, auch in der Darstellung. Auf jeden Fall gibt es einige nachdenkliche Momente von ihr, in denen auch Gewissenskonflikte dargestellt werden, sowie politische Gedanken und Überlegungen rund um das Leben und die Liebe.

Als Setting dient fast durchweg die Stadt Berlin. Nur wenige Szenen spielen an anderen Orten, hierbei sind eigentlich nur zwei Fahrten von Rike wichtig, einmal in die Schweiz, wo sie eine große Überraschung erwartet und einmal nach Italien, wo sie nicht nur Erfahrungen sammelt...
Es mag makaber klingen, aber es war einfach fantastisch, wie genau und bildhaft die zertrümmerte Stadt dargestellt wurde. Es war schockierend ehrlich und unverblümt. Gerade die Szenen, in denen die Damen der Familie mit dabei helfen, den Schutt wegzutragen sind besonders eingängig gewesen und gehören zu meinen Lieblingsszenen.

Wie ich schon erwähnt hatte, gibt es eine recht überschaubare Anzahl an Protagonisten. Vor allem dreht sich die Handlung um die Familie Thalheim und ihnen nahe stehende Personen. Dazu gibt es nur wenige Nebencharaktere, die ab und an auftreten aber einen einprägenden Charakter haben, sodass man sie schnell wiedererkennt.
Besonders im Mittelpunkt stehen die drei Schwestern, wobei sich dieser erste Teil der Reihe vor allem um Rike, die Älteste dreht. Sie durchlebt in den sechs Jahren einiges, wandelt sich stark, was natürlich ist und auch der Zeit geschuldet ist. Man merkt, dass sie früh Verwantwortung übernehmen musste oder wollte und sie das Erlebte schneller erwachsen gemacht hat. Von den drei Schwestern ist sie mir bisher am sympathischsten, mit ihrem Charakter kann ich mich am besten identifizieren.
Im Gegensatz zu ihr sind ihre Schwestern nicht ganz so stark gezeichnet, wobei sie auch ihren eigenen Kopf haben und für ihre Prinzipien eintreten. Flori und Silvie sind auch interessante Charaktere, aber man erfährt noch zu wenig, was in ihren Köpfen vorgeht. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie sie in den weiteren Teilen auftreten werden.
Aber auch bei ihnen war schon eine Entwicklung sichtbar. Flori ist erwachsener geworden, lebt nicht mehr in ihrer Traumwelt und stellt sich den Ereignissen. Silvie macht beruflich einen starken Weg, wird selbstbewusster und wirkt am Ende nicht mehr wie ein Püppchen, sondern wie eine gestandene Frau, die weiß, was sie will.
Nicht so sympathisch fand ich den Vater der Schwestern, Friedrich. Er wirkte fast ein wenig gruselig und ich vermute bei ihm wahrscheinlich mehr schlechtes, als wirklich vorhanden ist. Friedrich wirkt auf mich nicht sonderlich vertrauensvoll und ich glaube nicht, dass es ihm gefällt, welche Pläne Rike hat und welche Rolle sie selbst dabei einnimmt.

Fazit:

Nachdem ich einige Seiten brauchte, um in die Handlung zu finden, die Charaktere kennenzulernen und mit der ganzen Zeit klarzukommen, habe ich das Buch richtig gerne in die Hand genommen. Ich konnte in die Handlung eintauchen, mir vieles bildlich vorstellen und die wunderbare Recherchearbeit der Autorin hat das Buch zu einem Genuss werden lassen. Am Ende war wirklich alles stimmig und ich bin mehr als gespannt auf die folgenden Teile.

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Montag, 19. August 2019

Rezension: Mit dem Wind von Paula Leonhardt

Titel: Mit dem Wind
 Autorin: Paula Leonhardt
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Seitenzahl: 416 Seiten
Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 26.07.2019
ISBN: 978-3-548-29193-2


Handlung:


Frankfurt 1879

Mathilde ist ein äußerst abenteuerlustiges Mädchen und geht keinem Erlebnis aus dem Weg. Als Mathilde mit ihrer Mutter auf Kur ist, sieht sie das erste Mal einen Heißluftballon und lernt den Heißluftballonfahrer Paul Naumann kennen. Mathilde ist von dessen Aufführung mehr als begeistert und hegt sofort den Wunsch ebenso schwerelos über die Erde zu fliegen und die Welt von oben betrachten zu können.

Nachdem sie Paul erst jahrelang assistiert hat, ermöglicht dieser Mathilde irgendwann, selbst einmal zu fliegen. Zusammen mit Paul erlebt Mathilde einige Abenteuer, sie werden nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Paar. Bald wird das Glück mit einem Kind gekrönt und das Leben von Mathilde ist perfekt. Bis ein tragischer Unfall geschieht, nachdem alles anders sein wird, als zuvor...



Meinung:

Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen. Es wirkt leicht und locker, gibt Hoffnung und zeigt den Wunsch und die Leidenschaft von Mathilde. Es werden Details aus dem Roman eingebracht, sei es die junge Dame, die durchaus Mathilde darstellen könnte oder die Heißluftballons, die ein großes Thema im Buch sind. Im unteren Teil befindet sich ein Fluss, der ein Handlungsort ist und einen besonderen Ort für Mathilde darstellt. Das Gesamtbild ist rund und stimmig, gefällt mir gut und passt perfekt zu dem Roman.



Als ich das erste Mal die Inhaltsangabe durchgelesen habe, war ich an der Handlung interessiert. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit dem Ballon fahren nie groß befasst habe und kaum etwas dazu weiß. Und erst recht nicht zu der damaligen Zeit, wo das alles noch recht neu und unbekannt war.

Dazu fand ich Mathilde direkt interessant. Sie wird besonders und anders beschrieben, modern, fortschrittlich und nicht nur auf ihr Aussehen und Auftreten bedacht. Das hat mir an ihrem Charakter sofort gefallen und ihr Wunsch nach Eigenständigkeit, sowie ihr Traum, eines Tages selbst über die Erde zu schweben war mir sympathisch. Es wurde deutlich, dass sie darum kämpfen will und somit deutete alles auf eine starke Protagonisten hin, auf die ich sehr gespannt war.



Von der ersten Seite bis zum Ende hat mir die Schreibweise unglaublich gut gefallen. Sie war leicht zu lesen, locker und einfach gehalten, weshalb ich sehr schnell in der Handlung weitergekommen bin. Hier kann ich wirklich sagen, dass die Kapitel nur so an mir vorbeigeflogen sind und ich viel zu schnell am Ende angelangt war.

Ich war erstaunt, was für ein schnelles und etwas vorlautes Mundwerk schon die jugendliche Mathilde hat und das dies auch so angehalten hat. Mathilde ist nie um eine Aussage verlegen und redet so, wie sie denkt. Dadurch wirkt sie menschlich und lebendig, hat mir in ihrem Auftreten gut gefallen.



Ab und an hätte ich es gut gefunden, wenn ein paar mehr historische Details eingebunden worden wären, das kam nur äußerst selten vor. So hat sich die Autorin wirklich besonders auf Mathilde, ihre Familie und das Ballonfahren konzentriert, was aber auch vollkommen in Ordnung ist. Eigentlich war es sogar gut, dass das Hauptaugenmerk darauf gerichtet war, so sind wunderbar sympathische und liebenswerte Charaktere entstanden.



Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal beginnt die Handlung 1879 mit der jugendlichen Mathilde und man folgt ihrem Leben viele Jahre. Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 1929 und darin beschreibt Mathildes Tochter Rosa kurz ihr Leben und vor allem Details aus dem Leben ihrer Mutter. Dies erzählt sie zwei verschiedenen Personen und darauf folgend gibt es immer einige Kapitel, in denen das Leben von Mathilde erzählt wird.

Das kam für mich äußerst überraschend, ich hatte eigentlich erwartet, dass durchweg das Leben von Mathilde geschildert wird. An sich finde ich die Idee, zwei zeitliche Ebenen einzubauen okay, konnte mich aber nur schwer mit Rosa anfreunden. Sie ist sehr schüchtern und zurückhaltend, ein kompletter Gegensatz zu ihrer starken, aufgeweckten und sympathischen Mutter. Ich fand die Kapitel aus der Vergangenheit stets interessanter, die Handlung wird einfach bunter und belebter beschrieben und wirkt nicht so steif.



Allgemein wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler beschrieben, der viele Details aus dem Leben der Protagonisten geben kann und oft auch in die Gedanken der Personen schaut. Hierbei begleitet man als Leser fast nur Mathilde und ihre Erlebnisse, nur selten wechselt der Erzähler auf Fritz und beschreibt auf einigen Seiten seine Gedanken und Handlungen.



Die Handlung wurde interessant beschrieben, es entstanden absolut keine Längen und ich habe das Buch gern gelesen. Leider muss ich sagen, dass mir die Handlung ab und zu etwas zu vorhersehbar war. Im Grunde waren einige Ereignisse oder Begebenheiten nicht überraschend für mich. Schon eher hatte ich das genau so gedacht und wurde bald darauf in meiner Vermutung bestätigt. Das fand ich etwas schade, weil es so wirklich keine Punkte gibt, die mich überrascht haben. Dadurch gab es natürlich auch keine hohe Spannungskurve.

Längen konnten erst gar nicht entstehen, da viele Zeitsprünge eingebaut wurden, die nur wenige Jahre umfassten und stets dann einsetzten, wenn etwas besonderes in Mathildes Leben passiert. Mir hat das Sprunghafte richtig gut gefallen, so wird wirklich nur das Wichtigste beschrieben und gleichzeitig passt das auch zu Mathilde. Sie bleibt nicht lange auf einem Punkt, will sich weiterentwickeln und lernen.



Lange Zeit war ich unentschlossen, welche Bewertung ich dem Buch geben werde. Ich fand die Handlung gut, aber nicht umwerfend und habe mir irgendwann gedacht, dass ich einfach mal das Ende abwarten werde. Und genau das war die richtige Entscheidung. Mir haben die letzten Seiten wirklich gut gefallen, ich war emotional berührt und gleichzeitig begeistert. Obwohl es auch nicht sonderlich überraschend war, hat es mich mitgenommen, wirkte natürlich und einfach passend.



Als Setting dient vor allem Frankfurt, dazu gibt es wenige Szenen in Wiesbaden, die einen wichtigen Schritt in ein neues Leben für Mathilde bedeuten. Es gibt nur wenige Orte in Mathildes Heimatstadt Frankfurt, wo Szenen spielen. Meist finden diese in der Wohnung der Familie Krämer, der Werkstatt von Paul Naumann oder dem Fluss statt, wo sie sich häufig mit Fritz trifft. Es gibt recht wenige Beschreibungen der Orte, man kann sie sich nur grob vorstellen oder sich einiges dazudenken. Deshalb fand ich es bewundernswert, dass die Wohnung der Krämers so lebendig, gemütlich und einladend wirkte. Man erfährt darüber nur ganz wenig und trotzdem strahlt sie ein heimeliges Gefühl aus.



Wie vielleicht schon aus meinen Worten herauszulesen war hat mir der Charakter von Mathilde richtig gut gefallen. Sie war eine starke Person, die für ihre Wünsche gekämpft hat, auch mal den Mund aufgemacht hat, wenn ihr etwas nicht gepasst hat und sehr natürlich in ihrem Auftreten war. Ihr ganzer Charakter war stimmig, sie war sympathisch und ich habe Mathilde gern auf ihrem Lebensweg begleitet.

Auch die anderen Protagonisten waren richtig gut ausgearbeitet, hatten besondere Charakterzüge und sind sich selbst treu geblieben. Haben ihre Meinung und Aussagen mit allem verteidigt und haben vor allem Mathilde unterstützt, ihr zugeredet und versucht, sie zu verstehen.

Lediglich Paul Naumann fand ich kompliziert. Er ist aus der Masse herausgestochen, weil er anders war und man ihn nicht einschätzen konnte. War er wirklich ein so sympathischer Mensch oder ist das nur eine Maske? Ich fand ihn auch in seiner Beschreibung nicht ganz so ausgereift und anschaulich. Ihm fehlt das besondere Etwas, dass ihm mir sympathisch gemacht hätte. So habe ich seine Handlungen und Aussagen hinterfragt und kritisch betrachtet.



Fazit:

Bis auf meinen Kritikpunkt, dass ich die Handlung etwas vorhersehbar fand, war ich wirklich angetan von dem Buch. Die Schreibweise war einfach wundervoll und ich habe es geliebt, wie schnell sich das Buch lesen ließ. Mathilde war ein sympathischer, aufgeweckter Hauptcharakter, der immer wieder Schwung in die Handlung gebracht hat und einfach toll war. Dazu hat mir die Ausarbeitung der anderen Charaktere gut gefallen und die Details über Heißluftballons waren interessant und es war dem Leser möglich, ein Stück dieser Geschichte mitzuerleben.


Bewertung: 4 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Ullstein Buchverlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
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Interesse? Hier findet ihr den Roman! 

Freitag, 16. August 2019

Rezension: Die Ärztin - Die Wege der Liebe von Helene Sommerfeld

Titel: Die Ärztin - Die Wege der Liebe
Autorin: Helene Sommerfeld
Verlag: rororo
Seitenzahl: 544
Preis: 9,99 €
Erscheinungsdatum: 20.08.19
ISBN: 978-3-499-27655-2 


Handlung:

Berlin 1915
Der Krieg dauert noch immer an, auch wenn verkündet wurde, dass dieser am Ende des vorigen Jahres beendet sein sollte. Die Zivilbevölkerung wird immer mehr von den Kriegsgeschehnissen gezeichnet. Nahrung fehlt, Frauen übernehmen die Berufe ihrer Männer und die Stimmung in der Stadt wird immer angespannter.
Auch für Ricarda bedeutet der Krieg einen Neubeginn. Sie schließt ihre Privatpraxis und nimmt eine Stellung an der Charité an, wo sie nicht nur zahlreichen Kindern auf die Welt hilft, sondern auch Frauen hilft, die bei ihrer Arbeit in den Munitionsfabriken verletzt wurden. Während sie beruflich ausgelastet ist, denkt sie in ihren freien Momenten nur an ihre Kinder. Der Sohn Georg wird an der Front vermisst, mit der Tochter Henni ist sie im Streit auseinandergegangen, bevor diese mit ihrem Mann nach Amerika gezogen ist. Und auch die jüngste Tochter macht Ricarda einige Gedanken. Sie testet ihre Grenzen aus und wird immer erwachsener und selbstständiger.
Ricarda gibt nie die Hoffnung auf, dass der Krieg hoffentlich bald enden wird und sie ihre Kinder unbeschädigt in die Arme nehmen kann. Doch nicht immer meint es das Schicksal gut mit ihr...

Meinung:

Von der Gestaltung gibt es starke Gemeinsamkeiten zu den bisher erschienenen Teilen. So ist auch diesmal die Schrift mittig, welche einen Farbverlauf besitzt und die Hauptfarbe des Covers, ein angenehmes, nicht zu grelles Orange, aufgreift. Darüber befindet sich eine junge Dame, der damaligen Mode entsprechend gekleidet, die etwas starr an dem Leser vorbeiblickt. Hier kann man auch hineininterpretieren, dass sie ein Ziel vor Augen hat und dieses unbedingt verfolgen will.
Unterhalb des Titels gibt es eine kleine Stadtszene, in denen auch der technische Fortschritt sichtbar ist. So gibt es sowohl Kutschen, als auch Automobile, Busse und Fahrräder. Insgesamt gefällt mir das gesamte Bild richtig gut. Es wirkt fröhlich, fällt durch die Farben ins Auge und ergibt ein rundes Gesamtbild.

Wie schon in den anderen Teilen gibt es auch hier wieder auf der Umschlaginnenseite eine kleine Karte von Berlin aus dem Jahre 1919. Dort wurden wichtige Orte, wie Wohnhäuser, die Charité oder bauliche Besonderheiten hervorgehoben und man kann die Wege der Protagonisten nachverfolgen. Mir hat das weitergeholfen, ich kenne mich in Berlin nicht sonderlich aus und ich fand es hilfreich, mir die Entfernungen anschauen zu können.

Weiterhin gibt es vor dem Beginn der Handlung eine kleine, feine Auflistung der Protagonisten. Nur die allerwichtigsten wurden aufgelistet, fast alle sind alte Bekannte aus den anderen Büchern. Es treten zwar einige mehr in der Handlung auf, aber insgesamt finde ich die Anzahl doch überschaubar und nicht zu umfassend. Mir gefällt es, dass ein jeder dort erwähnte Charakter auch ein Geburtsjahr bekommen hat. Das ist nur ein kleines Detail, für manche vielleicht nicht wichtig, aber so wurde ein jeder für mich gleich lebendig.

Nachdem der zweite Teil mit einem krassen Cliffhanger geendet hat, habe ich mir schon einige Gedanken zu dem Weitergang der Geschichte gemacht. Ein ganzes Stück weit habe ich auch den finalen Teil der Trilogie gewartet, um endlich von der Spannung erlöst zu werden. Dementsprechend war ich unglaublich glücklich, dass mir das Buch freundlicherweise vom Verlag zugeschickt wurde und ich schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen konnte, wie die Geschichte von Ricarda Thomasius weitergeht.

Ich glaube, so zwei-drei Seiten wurden aus dem zweiten Teil noch einmal aufgegriffen, in denen das Ende mit dem Cliffhanger nochmal geschildert wird. So wird man nicht zu abrupt in die Handlung hineingeworfen, sondern kann sich nochmal vor Augen rufen, was alles passiert ist und für den Moment wichtig ist.
Es gibt einen nahtlosen Übergang von dieser Szene zu den neuen Ereignissen, man kommt nicht ins Stocken, sondern kann bequem weiterlesen. Was ich auch direkt gemacht habe. Auch hier ist mir sofort wieder positiv aufgefallen, dass es am Anfang der neuen Kapitel immer eine Monats- und Jahresangabe gibt, die bei den zeitlichen Sprüngen eine große Hilfe sind. Diese finden ab und an statt, die Handlung beginnt 1914 und endet 1920. In den Jahren finden nicht nur auf der privaten Ebene der Familie Thomasius einige Ereignisse statt, sondern auch die Situation in der Welt ändert sich. Der Erste Weltkrieg beginnt und endet, am Ende gibt es kein Kaiserreich mehr. Daher war es wichtig und gut, dass stets eine Zeitangabe vorhanden war.
Außerdem hat es mir gut gefallen, dass die Abschnitte nicht zu lang gehalten wurden, höchstens vier-fünf Seiten. Dadurch kann man schnell mal nebenbei ein paar Seiten lesen und ich habe auch immer das Gefühl, dadurch schneller in der Handlung voranzukommen.
Mir hat es gut gefallen, dass die Kapitel nicht nur einen Handlungsstrang verfolgt haben, sondern die Beschreibungen zwischen mehreren gewechselt haben. So gab es eine bunte Mischung von Ricardas, Antonias und Hennis Erlebnissen, die vollkommen unterschiedlich waren und an verschiedenen Orten gespielt haben.

Lange wird die Spannung aufgebaut und auf einem guten Niveau gehalten. Dabei gibt es immer wieder ruhigere Abschnitte, in denen das tägliche Leben der Protagonisten dargestellt wird. Leider war für mich ab ungefähr der Hälfte der Handlung etwas die Luft raus. Ich habe immer noch mit Freude und Interesse gelesen, habe mich aber oft gefragt, was noch alles passieren wird und darauf gehofft, dass nicht noch unnötige Dramen eingebunden werden. Was leider am Ende etwas passiert ist. Die Geschichte ist zwar vollkommen glaubwürdig, mir aber zu viel. Mit den letzten ungefähr 30 Seiten war ich nicht ganz glücklich, deas letzte Kapitel fand ich wieder gut und bin mit dem Ende zufrieden.

Zu dem schnellen Lesen hat aber auch die äußerst angenehme und gute Schreibweise beigetragen. Sie erinnerte mich sofort an die anderen beiden Bände, ich erinnere mich, dass ich sie auch in meinen Rezensionen positiv herausgehoben habe. Ärztliche Sachverhalte wurden auch für Laien verständlich erklärt und sind nicht mehr so viel vorgekommen, wie in den anderen beiden Büchern. Hier hatte ich mehr das Gefühl, dass sich die Autoren auf die politische und private Situation der Protagonisten fokusiert haben.

Auch hier finden viele Handlungen an schon bekannten Orten statt. Haupthandlungsort ist auch hier wieder Berlin, dazu kommt Freystetten und Amerika mit New York und Los Angeles. Besonders idyllisch wurde das Gut Freystetten dargestellt, es wirkt gemütlich und wurde von den Kriegsgeschehen nicht so stark getroffen. Auf dem Gut scheint ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein und bildet somit einen ruhigen Ausgleich zum hektischen Berlin, wo an jeder Ecke Armut herrscht und das Leben allgemein nicht so friedlich ist.
Etwas geschwächelt hat die Beschreibung von Amerika. Ich konnte mir die Orte zwar grob vorstellen, es wirkte aber nicht einladend, sondern trüb und zu gut um wahr zu sein. Gleichzeitig fand ich aber, dass das Leben dort interessant dargestellt wurde. Viele Charaktere sind scheinbar ohne Sorgen durchs Leben gegangen. Außerdem wurde das schöne Leben mit Partys, Glamour und schönen Menschen gut dargestellt. Ein kompletter Gegensatz zu dem Leben in Deutschland, wo Krieg herrscht, die Nahrung knapp ist und alle um ihre Lieben bangen.

Wie immer widmet sich der letzte Punkt meiner Rezension den Protagonisten. Wie schon erwähnt, treten wieder viele altbekannte Gesichter auf und nur wenige Personen kommen hinzu. Viele von ihnen fand ich positiv und lebendig dargestellt. Sie waren recht sympathisch und freundliche Wesen.
Diesmal hatte ich leider ein paar Probleme mit Ricarda. Sie hatte immer noch einige Züge an sich, die sie schon in den vorherigen Büchern auszeichnen. Doch sie, und auch ihr Mann Siegfried, altern schnell und oft habe ich ein Bild vor ihnen, dass sie um die zwanzig Jahre älter macht und als Greise darstellt. Klar, die Beiden haben viel erlebt und auch der Krieg hinterlässt bei einem Menschen Spuren. Bei ihnen ist es mir stark aufgefallen. Dazu fand ich Ricarda hier nicht ganz so sympathisch. Die neuen Sympathieträger sind eher die Töchter Ricardas, welche auch stark in den Vordergrund gerückt sind. Sie nehmen nicht mehr nur eine Nebenrolle ein, sondern sind stark präsent. Ich fand es gut, dass die Handlung mehr auf andere Charaktere übertragen wurde. So gibt es nicht nur abwechslungsreiche Schilderungen, sondern ich fand es vor allem bei Antonia interessant, wie sie mit der politischen Situation umgeht und oft habe ich in ihr ein Abbild der jungen Ricarda gesehen. Auch Antonia kämpft für ihre Wünsche und hat großes im Leben vor.

Fazit:

Es gibt wirklich nur kleine Dinge, die mir an dem Buch nicht so gefallen haben und für die ich gesamt einen halben Stern abziehe. Dazu zählt die nicht perfekte Darstellung von Ricarda, aber auch die nicht dauerhaft anhaltende Spannung, die mittendrin etwas nachließ.
Ein Highlight war auch hier wieder die Schreibweise, die offen, leicht und atmosphärisch war. Die Kriegserlebnisse und Folgen wurden anschaulich an den Einwohnern der Stadt gezeigt und ließ ein schonungsloses Bild entstehen. Es gibt gelungene Settings, die sich alle voneinander unterscheiden und Gegenpole bilden.
Auf jeden Fall bildet der dritte Teil dieser Reihe ein würdiges Ende, es bleiben keine offenen Fragen zurück und ich konnte das Buch mit einem Lächeln schließen. So gehört sich das:)

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
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Rezensionen zu den beiden bisher erschienen Teilen: