Samstag, 19. Januar 2019

Rezension: Gut Greifenau - Nachtfeuer von Hanna Caspian

Titel: Gut Greifenau - Nachtfeuer
Autorin: Hanna Caspian
Verlag: Knaur TB
Seitenanzahl: 560 Seiten
Preis: 9,99 €
 Erscheinungsdatum: 27.12.2018
ISBN: 978-3-426-52151-9


Handlung:


August 1914

Der Erste Weltkrieg ist ausgebrochen. Panik macht sich im Land breit, auch wenn eine große Sicherheit herrscht, dass dieser innerhalb von wenigen Wochen gewonnen werden kann.

Nach kurzer Zeit muss Konstantin, der älteste Sohn des Grafen, an die Front und nicht nur das Gut verlassen, sondern auch seine geliebte Rebecca allein in Greifenau lassen. Noch dazu haben sie sich nach ihrem großen Streit immer noch nicht ausgesöhnt.

Auch für Katharina sieht die Zukunft nicht rosig aus. Trotz vehementen Protests halten ihre Eltern daran fest, dass sie den Kaiserneffen Ludwig von Preußen heiraten soll, wenn dieser ihr einen Antrag macht. Dies würde nicht nur ein gesellschaftlicher Aufstieg sein, sondern auch dem Gut finanziell helfen. Nachdem Katharina erfährt, dass Ludwig nicht nur ihr zu nahe kommt, steht Katharinas Entschluss fest. Sie will auf keinen Fall einen solchen Menschen heiraten. Doch wie soll sie einer Ehe mit dem Kaiserneffen entkommen und dafür ihren Liebsten, den Industriellensohn Julius ehelichen?

Und über alldem droht eine Bombe zu platzen, bei der ungewiss ist, wie die Grafenfamilie damit umgehen würde...



Meinung:

Das Cover wurde sehr stimmig und ansprechend gestaltet. Durch einen ähnlichen Aufbau der Elemente gibt es eine starke Ähnlichkeit zum ersten Teil, auch wenn die Farben hier deutlich dunkler und gedeckter gewählt wurden. Das passt auch sehr gut zu der politischen Lage in Europa mit dem Ersten Weltkrieg und all den Entbehrungen und Ängsten, mit denen die Bevölkerung zu kämpfen hatte.

Ich finde die Kleidung der Dame wunderschön und sie wurde perfekt an die Mode der damaligen Zeit angepassst. Bei dem vorherigen Teil hatte ich noch kritisiert, dass ich es nicht mag, wenn eine Person auf dem Cober den Betrachter zu offen anschaut. Hier schaut die Dame zur Seite, ihr Gesicht ist nur leicht zu sehen und wirkt nachdenklich. Vielleicht auch ein Hinweis auf den Krieg?

Im unteren Teil ist ein Herrenhaus zu sehen, welches sehr herrschaftlich und ansprechend aussieht, es könnte auch als Kulisse für den Roman dienen.



Auf den ersten Seiten, vor dem Beginn der Handlung, befindet sich eine großflächige Karte von Pommern und Westpreussen, die dabei helfen, dem Gut und umliegenden Städten eine Richtung zu geben.

Danach folgen zwei Bilder, auf denen das Gut Greifenau und der Ort Greifenau abgebildet wurden und einen Überblick über die Lage von Gebäuden geben. Das hat mir sehr geholfen, besonders den Aufbau des Gutes habe ich vor dem Lesen gut studiert, um mich besser in die Geschichte hineinfühlen zu können.

Danach folgt noch eine Auflistung der handelnden Personen, die in verschiedene Kategorien unterteilt wurden. Vor dem Lesen habe ich mir diese durchgelesen und mir kamen sofort wieder Zusammenhänge und Details ins Gedächtnis, die mir einen leichten Start in die Handlung gegeben haben.



Es gibt einen direkten Start in die Handlung, es wurden kaum Details und Hintergründe aus dem ersten Teil wiederholt, sondern die Handlung knüpft nahtlos an den Vorgängerroman an. Darüber war ich sehr froh, ich finde es meistens sehr langweilig, wenn es eine seitenlange Beschreibung der bereits stattgefundenen Ereignisse gibt.

Ich bin leicht in den Roman hineingekommen, die Handlung war sofort interessant und die Protagonisten sind genauso sympathisch und lebendig wie im ersten Teil.

Es gibt verschiedene Erzähler, die im Verlauf der Handlung ihre Erlebnisse wiedergeben. Sowohl die Grafenfamilie, als auch deren Angestellt und die Dorflehrerin Rebecca kamen zu Wort und von ihnen konnte man sich ein besonders gutes Bild machen. Mir hat die Vielzahl der Erzählperspektiven gut gefallen, so erhält man einen breit gefächerten Blick auf die Ereignisse und so konnten noch mehr Geheimnisse entstehen, die am Ende ein verzweigtes, aber stimmiges Gesamtbild ergeben.

Die Schreibweise war locker und gleichzeitig anspruchsvoll. Alles wurde anschaulich und manchmal mit verborgenen Details wiedergegeben, was die Handlung spannend und ansprechend gemacht hat, sodass ich stets mit vollem Interesse gelesen habe.

Eingebunden wurde einige historische Details, die detailreich und mit einfachen Worten wiedergegeben wurden. Diese haben mich dazu verleitet, langsam zu lesen, damit ich nichts verpasse und bei mir im weiteren Verlauf der Handlung keine Fragen aufkommen.



Als Setting dient fast durchweg das Gut mit dem dazugehörigen Dorf. Nur in wenigen Ausnahmen findet die Handlung an anderen Orten statt, sei es u.a. an der Front oder in Berlin. Ich fand die fast durchgängige Einheit des Ortes sehr angenehm, dadurch wurde das Gut für mich noch greifbarer und bildlicher. Noch dazu, weil es so malerisch und ansprechend beschrieben wurde.



Sehr viele Charaktere aus dem ersten Teil haben wieder einen Auftritt, es war wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Ich fand es toll, dass auch die Dienstboten häufig einige Geschehnisse aus ihrer Sicht schildern, gefühlt haben sie noch mehr Kapitel bekommen als im ersten Teil. Dadurch erhält man als Leser einen tollen und realistischen Einblick in ihren arbeitsreichen Arbeitstag und die Stimmung unter dem Personal, sowie der gegenseitige Umgang miteinander.

Im besonderen Mittelpunkt stehen auch hier natürlich die Bewohner des Gutes. Dazu noch die Dorflehrerin Rebecca und damit wurden die Hauptcharaktere schon grob eingefasst. Einem jeden wurde viel Leben eingehaucht und die Situationen fast durchweg realistisch und wahrheitsgetreu dargestellt.

Lediglich mit der Darstellung von Katharina, der Tochter der Gutsfamilie, war ich nicht ganz zufrieden. Für ihre anfänglichen 14 Jahre finde ich sie zu frühreif und gleichzeitig in manchen Handlung noch kindlich. Das war eine Mischung, die für mich nicht ganz gepasst hat. Sie legt aber eine tolle Wandlung hin, wird reifer und sicherer und weiß am Ende, was sie will.



In der Handlung vergehen etwas mehr als drei Jahre, diese scheint beim Lesen manchmal wie im Flug zu vergehen. Am Anfang von Kapitel wurde stets ein Datum angegeben, an welchem die Handlung stattfindet. Dies hilft wirklich sehr, um die Handlung zeitlich einzuordenen.

Es gibt einige Zeitsprünge, die willkürlich eingesetzt wurden. Manchmal hätte ich mir ein paar mehr Informationen gewünscht, was alles in der übersprungenen Zeit passiert ist. Ab und an waren diese vorhanden, aber nicht immer.



Fazit:


Ich habe mich richtig darauf gefreut, den zweiten Teil der Gut Greifenau Saga zu lesen und wurde nicht enttäuscht. Es wird Geschichte mit einer aufregenden Handlung, einigen Geheimnissen und sympathischen Charakteren vermischt, die ein Lesevergnügen bereiten. Viele Fragen sind bei mir nach dem Ende offen geblieben, die die Freude auf den finalen Teil der Reihe erhöhen!


Bewertung: 5 von 5 Sternen

MarySophie

Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen