Samstag, 25. Januar 2020

Rezension: Jahre an der Elbchaussee von Lena Johannson

Titel: Jahre an der Elbchaussee
Autorin: Lena Johannson
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Seitenzahl: 436 Seiten
Preis: 12,99 €
Erscheinungsdatum:06.12.2019
ISBN: 978-3-7466-3542-2

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Handlung:

Hamburg, Ende der zwanziger Jahre
Bei Frieda Hannemann läuft gerade alles rund. Sie ist mit Per unglaublich glücklich, die Hochzeit der Beiden ist der nächste große Punkt an der Tagesordnung. Dazu werden ihre Schokoladenprodukte immer beliebter und erfolgreicher und Frieda bereitet sich fleißig darauf vor, eines Tages den Platz ihres Vaters in der Geschäftsführung zu übernehmen.
Doch am Himmel breiten sich dunkle Wolken auf. Langsam aber sicher kommen die Nazis an die Macht und Frieda muss sich nicht nur um ihre beste Freundin Clara, sondern auch um ihre Nichte Sarah, sowie deren Mutter Selma sorgen, die der jüdischen Religion angehören.
Außerdem sieht Frieda nach einigen Jahren ihre Jugendliebe Jason wieder, mit dem sie sich damals eine Zukunft vorstellen konnte. Beide merken bei der Begegnung, dass sie noch nicht vollkommen mit der Vergangenheit abgeschlossen haben. Frieda will sich ihrem Verlobten Per anvertrauen, doch wie wird dieser reagieren?

Frieda hofft sehr, dass ihre Vertrauten in diesen Zeiten zusammenhalten und eine Einheit bilden. Doch nicht alle Menschen in ihrem Umfeld unterstützen sie und versuchen, ihr ständig Steine in den Weg zu legen. Neben vielen schönen Erlebnissen erlebt Frieda auch, wie leicht sie sich in einigen Menschen getäuscht hat...

Meinung:

Das Cover des ersten Teils gehörte im letzten Jahr zu meinen Favoriten. Auch dieses finde ich echt schick, doch es kommt nicht ganz an das Erste heran. Es gibt einen hohen Wiedererkennungswert, wieder steht im Vordergrund eine Dame mit dunklen Haaren und einem lilafarbenen Kleid. Insgesamt wurde als Hauptfarbe diesmal ein angenehmer Lila-Ton gewählt, der sich außerdem im Titel, sowie in dem Verlagszeichen wiederfindet.
Der Hintergrund wurde verschwommener und mit nicht so starken Farben ausgestattet. So gibt es ein gutes Gegengewicht zu den ausdrucksvollen Farben im Vordergrund. Ich stelle mir vor, dass es sich bei der Szenerie im Hintergrund um die für den ersten Teil titelgebende Villa an der Elbchaussee handelt und Frieda diese betrachtet und über die Politik, aber auch ihre neueste Schokoladenkreation nachdenkt.
Insgesamt gefällt mir das Cover gut, es ist ausdrucksstark, schön anzusehen und mir gefällt die Ähnlichkeit zum ersten Teil.

Der erste Teil war definitiv eines meiner Highlight des letzten Jahres, ich habe das Buch sehr gemocht und war extrem gespannt auf die Fortsetzung. An diese hatte ich große Erwartungen und war natürlich neugierig, ob die Autorin diese auch erfüllen kann. Ich habe mich nicht nur riesig darüber gefreut, das Buch als Rezensionsexemplar zu erhalten, sondern auch auf das Lesen und Rezensieren.

Bei dem Buch liegt eine Klappbroschur vor, wo nicht nur alle drei Teile der Reihe abgebildet sind, sondern auch eine historische Karte. Auf der Karte ist ein Ausschnitt von Hamburg zu sehen, darauf wurde der Hamburger Hafen abgebildet. Für nicht ortskundige wie mich ist dies wirklich hilfreich und insgesamt ist es ein schönes Detail. So kann man sich etwas in dieser Gegend orientieren, wo doch ein größerer Teil der Handlung stattfindet, und auch andere Orte sind darauf zu sehen, die im Roman eine Erwähnung finden.

Es findet eine Unterteilung in drei Teile statt, diese wiederum in Kapitel. Jedes Kapitel hat eine angenehme Länge, man kann auch mal zwischendurch einen Abschnitt lesen oder halt einige Stunden damit verbringen, wenn man das Buch nicht aus der Hand legen mag.
Vielen Kapiteln steht ein Monat und eine Jahreszahl voran. So lässt sich eine zeitliche Einteilung vornehmen und man kann sich beim Lesen bewusst vor Augen führen, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist und wie viele Jahre die Protagonisten seit dem Beginn der Handlung älter geworden sind. Insgesamt vergehen ganze 12 Jahre, die scheinbar verfliegen. Ab und an gibt es Zeitsprünge, welche geschickt in die Handlung eingebunden wurden. Bei diesen hatte ich auch nie das Gefühl, dass mir wichtige Details entgehen oder mir Informationen für die weitere Handlung fehlen.

Am Anfang musste ich immer etwas nachdenken und es hat ein paar Seiten gedauert, bis mir viele Details aus dem ersten Teil wieder eingefallen sind. Immerhin ist es tatsächlich schon fast ein Jahr her seit ich diesen gelesen hatte. Doch wie gesagt fielen mir viele Dinge schnell wieder ein und ich konnte der Handlung mit viel Interesse folgen.
Der Start in die Handlung war recht ruhig und angenehm. Man bekam Zeit, um sich in das Buch zu finden und viele wichtige Details wurden direkt am Anfang genannt. Nachdem ich nicht mehr so viel nachdenken musste und mir vieles wieder eingefallen ist, wurde das Lesen zum kompletten Vergnügen. Ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen, die Handlung hat mich gefangen genommen und es hat einfach nur Spaß gemacht immer weiterzulesen.
Besonders hat mir die Mischung zwischen ruhigeren und aufregenderen Kapiteln gefallen. Oft wurde einfach nur der Alltag von Frieda erzählt, wie sie es managt, Familie und ihren Job unter einen Hut zu bekommen und was sie tagtäglich erlebt. Dies wechselt sich immer wieder mit einem aufregenderen Kapitel ab, indem es eine spannungsreichere Handlung gibt. So wird neuer Schwung hereingebracht und es wird verhindert, dass Längen entstehen. Wie erwähnt, mir hat dieser Wechsel gut gefallen, das Buch wirkte dadurch sehr bodenständig und scheint eine reale Geschichte zu erzählen. Die Autorin hat hier die perfekte Balance zwischen Spannung und Entspannung gefunden.

Ich konnte das Buch auch so schnell und flüssig lesen, weil die Autorin wieder einen sehr angenehmen Schreibstil genutzt hat. Er war authentisch, hat die Ereignisse eindrucksvoll wiedergegeben und besitzt ganz wunderbare Beschreibungen von Gebäuden und Situationen. Dazu wurden immer wieder typisch norddeutsche Redewendungen und Worte eingebunden, die nicht nur äußerst gut zu dem Haupthandlungsort passen. So kommt viel Authentizität in die Geschichte und die Protagonisten wirken noch lebendiger und glaubwürdiger.

Immer mal wieder tauchen auch historische Details auf, welche ebenfalls gekonnt in die Geschichte eingebunden wurden. Diese beschränken sich nicht nur auf Deutschland, es finden u.a. ebenfalls Geschehnisse aus Amerika einen Platz in der Geschichte. Von diesen Fakten wurde man nicht überladen, sie wurden wohldosiert in die Handlung eingefügt und standen eher im Hintergrund, die Geschichte um Frieda, ihre Familie und die Schokoladenmanufaktur stand deutlich im Vordergrund. Zudem wurden historische Aspekte mit einfachen, aber sehr genauen Worten erklärt, sodass man diese leicht verstehen und auch verarbeiten kann, was den Lesefluss natürlich positiv beeinflusst.

Auch diesmal findet der größte Teil der Handlung in Hamburg statt. Schnell hatte ich wieder den Eindruck, dass die Häuser und Gegenden sehr liebevoll und detailgetreu beschrieben wurden. Bei mir entstanden schnell lebendige Bilder vor Augen, wie ich mir die beschriebenen Straßen vorstelle. Besonders gut gefallen haben mir die Beschreibungen des Hafens und des Kontors. Dort herrscht eine Lebendigkeit und teilweise Fröhlichkeit, die einfach mitreißend ist und den Wunsch ausgelöst hat, diese Szenerie am liebsten mit eigenen Augen sehen zu wollen.
Diesmal unternimmt Frieda mehrere Reisen, sowohl innerhalb Deutschlands, als auch außerhalb. Die Orte, die Frieda gesehen hat waren ebenso farbenreich beschrieben wie die Gegenden in Hamburg. Sie standen dem in nichts nach und haben eine interessante Abwechslung dargestellt.

Die Protagonisten waren lebendig und mit vielen kleinen Macken dargestellt, was sie authentisch, abwechslungsreich und besonders gemacht hat. Die Charaktere haben sich alle unterschieden, keiner kam zu stereotyp daher. Es gibt viele sympathische Protagonisten, mir hat es richtig viel Spaß gemacht, mit ihnen Zeit zu verbringen und sie auf ihrem Lebensweg ein Stück zu begleiten.
Im Mittelpunkt steht natürlich Frieda, direkt nach ihr folgt ihr Familie, die ein interessantes Abbild von Menschen der damaligen Zeit waren. Manche halten noch an alten Traditionen fest, manche wollen ihre Arbeit nicht an die jüngere Generation weitergeben und manche wissen nicht so recht etwas mit ihrer Zeit anzufangen. Zudem treten verschiedene politische Meinungen auf, die Platz für einige Diskussionen lassen und ebenfalls den Kern der Zeit treffen. So lässt sich zusammenfassend sagen, dass ein jeder Charakter positive Seiten gezeigt hat, aber auch mal einen Fehler macht oder eine falsche Aussage tätigt, was die Protagonisten sehr lebendig und menschlich dastehen lässt.

Fazit:

Ich hatte ja anfangs erwähnt, dass ich große Erwartungen an diesen Fortsetzungsband hatte. Und es ist der Autorin mehr als gelungen, diese zu erfüllen. Ich wollte immer weiterlesen, konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen und wollte gleichzeitig aber auch, dass die Handlung nicht so schnell vorangeht, damit ich länger meine Freude mit dem Buch habe.
Die Handlung war absolut nicht vorhersehbar, immer wieder sind neue, unerwartete Dinge geschehen, die die Geschichte durchweg interessant gemacht haben. Mir hat es außerdem sehr gut gefallen, dass sich abenteuerlichere Kapitel mit angenehm ruhigen, fast schon entspannenden Szenen abgewechselt haben.
Durchweg wurde ich wirklich gut unterhalten, ich habe absolut keine Kritikpunkte und freue mich jetzt schon riesig auf den dritten Teil. Für das Buch kann ich nur eine große, große Leseempfehlung aussprechen.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
Diesen Post kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Interesse? Hier findet ihr den Roman! 

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