Samstag, 21. September 2019

Rezension: Die Charité - Aufbruch und Entscheidung von Ulrike Schweikert

Titel: Die Charité - Aufbruch und Entscheidung
Autorin: Ulrike Schweikert
Verlag: Rowohlt Polaris
Seitenzahl: 448 Seiten
Preis: 14,99
Erscheinungsdatum: 17.09.19
ISBN: 978-3-499-27453-4 


Handlung:
 
Berlin 1903
Für Rahel Hirsch beginnt eine aufregende, aber auch schwierige Zeit: Sie wird als erste Ärztin an der Charité angestellt. Für die junge Frau ist das eine große Ehre und sie freut sich auf eine spannende Zeit. Doch schon bevor Rahel die Stelle antritt ist ihr klar, dass nicht alle Kollegen, die durchweg männlich sind, sie gleichberechtigt und mit Respekt behandeln werden. Rahel beißt die Zähne zusammen und hofft, sich durch Fleiß und Wissen Anerkennung zu erarbeiten.
Ebenfalls auf dem Gelände der Charité arbeitet Barbara. Sie ist in der Wäscherei angestellt, wo harte Arbeit der Alltag ist. Dabei wird ihr immer wieder bewusst, wie wenig Rechte die Frauen haben und sie schließt sich der Frauenbewegung an.
Rahel und Barbara sind zwei unterschiedliche Frauen, doch schon nach kurzer Zeit entsteht eine Freundschaft zwischen ihnen. Sie unterstützen sich und helfen einander.
Wird sich Rahel jemals eine angesehen Stellung an der Charité erarbeiten können? Und erfüllt sich Barbaras großer Wunsch nach mehr Rechten für Arbeiterinnen und das Frauenwahlrecht? Schließlich schwebt auch eine große dunkle Wolke über Europa, die stark auf einen Krieg hindeutet...

Meinung:
 
Das Cover ist schlicht und in wenigen Farben gehalten. Zu sehen ist eine Dame in Arbeitskleidung, entweder eine Krankenschwester oder eine Ärztin. Beherrscht wird das Bild von der weißen Schürze, sowie den weißen Armstulpen. Als farbliche Akzente gelten hier natürlich die Schriftfarben, sowie die blauen Ärmel und die Hand, welche Schlüssel hält. Insgesamt finde ich, dass das gesamte Bild recht streng wirkt, gleichzeitig wird aber auch Achtung ausgestrahlt.

Ich habe gerade mal nachgeschaut, wann ich den ersten Teil der Charité-Reihe gelesen habe. Dies war im Juli 2018, mir kommt es schon viel länger vor. Auf jeden Fall habe ich mich riesig über diesen Teil gefreut, Ulrike Schweikert ist für mich ein Name, der interessante Geschichten und gut recherchierte Bücher bedeutet. Ich glaube, lediglich ein Buch, was ich von ihr gelesen habe, hat mir absolut nicht gefallen, die anderen konnten auf voller Linie überzeugen. Dementsprechend war ich wirklich gespannt, als ich mit dem Lesen begonnen habe.

Als ich vor dem Lesen durch das Buch geblättert habe, fiel mir auf, dass es keine Liste der handelnden Personen gibt. Ich hatte mir schon gedacht, dass mir dies Probleme bereiten könnte und es war leider auch so. Die Hauptprotagonisten waren für mich immer leicht zu erkennen und sie konnte man einfach nicht vergessen. Mir hat eine solche Auflistung vor allem bei den Ärzten gefehlt. Von ihnen tauchten allerhand Namen mit den dazu gehöigen Forschungs- und Arbeitsgebieten auf, die nicht so leicht zu merken waren.

Auch hier gibt es wieder eine wunderbare Innengestaltung der Umschlagseiten. Einmal findet man ein schwarz-weiß Bild von Gebäuden, die wahrscheinlich die Charité darstellen soll. Zum anderen gibt es einen Ausschnitt einer Karte von Berlin, in der die wichtigsten Orte hervorgehoben werden und so gibt es auch eine räumliche Einteilung für den Leser. Es ist möglich, einige Wege nachzuverfolgen und sich Distanzen teilweise vorstellen zu können.
Für wissbegierige Leser, die sich gerne über einige Details weiterinformieren wollen, gibt es am Ende eine Liste der genutzten Lektüre. Durch dieses kleine Extra zeigt sich, wie viel Recherche in dem Buch steckt.

Der Roman startet mit einem Prolog, welcher einige Jahre vor der eigentlichen Handlung stattfindet und welcher einige Ereignisse wiedergibt. Ich war überrascht und begeistert, was es für eine gelungene Überleitung zu dem Roman gibt, diese ist fließend und läutet eine neue Zeit ein.
Jedes neue Kapitel erhielt nicht nur eine Überschrift, die einen kleinen Hinweis auf die Handlung gibt oder das Kapitel präzise zusammenfasst, sondern auch die dazugehörige Jahreszahl. Somit gibt es eine zeitliche Orientierung für den Leser, die gerade bei Zeitsprüngen ganz hilfreich ist.
Insgesamt vergehen (hier habe ich den Prolog und den Epilog ausgelassen) 16 Jahre vom ersten bis zum letzten Kapitel. Es ist klar, dass nicht jedes Jahr ausführlich und bis ins kleinste Detail erzählt werden kann, das würde eindeutig den Rahmen sprengen. Somit fand ich das stilistische Mittel der Auslassung wirklich angebracht. Mir haben auch nie Erklärungen gefehlt, was in der ausgelassenen Zeit passiert ist, zu den wichtigsten Ereignissen gab es immer eine kurze Beschreibung.

Mir hat durchweg die Schreibweise wirklich gut gefallen. Sie war einfach, gemischt mit einigen Fachbegriffen, die auch Laien bekannt sind. Dazu gibt es an ausgewählten Stellen einen berlinerischen Dialekt, der natürlich gut zu dem Handlungsort, aber auch zu einigen Protagonisten gepasst hat. Bevorzugt die einfacheren Bürger der Stadt haben mit Dialekt gesprochen und erhielten so viel Lebendigkeit und Authentizität.

In den Handlungsverlauf wurden viele historische Ereignisse eingebunden, die in präzisen und passenden Worten beschrieben sind. Zu einigen Vorfällen hatte ich bereits Vorkenntnisse, anderes war mir tatsächlich neu. Doch man wurde von der Politik nicht überschwemmt, es gibt immer mal wieder ruhigere Kapitel, in denen das normale Leben der Bürger beschrieben wurde.

In vielen Kapiteln wurden medizinische Aspekte geklärt, was ich schon erwartet hatte. Leider war ich manchmal mit der Menge an Informationen überfordert und konnte einige Sachverhalte und Erklärungen nicht wirklich nachvollziehen. Zum einen fehlten mir natürlich die Kenntnisse und ich bin leider in der Biologie eine Niete. Die Abschnitte, in denen es solche Informationen gab, lasen sich für mich zäh und ich bin nie ganz dahinter gestiegen, was genau erklärt wurde. So wurde leider mein Lesefluss getrübt und ich war froh, dass diese medizinische Erläuterungen irgendwann weniger wurden.

Eine ganz wichtige Rolle nimmt die Frauenbewegung ein, in der sie um mehr Rechte und Freiheiten kämpfen. Dies war unglaublich spannend zu lesen und ich fand es wirklich toll, dass das Thema in den Roman aufgenommen wurde. Es hat gut in die ganze Handlung hereingepasst und gleichzeitig hat die Thematik den Roman nicht überschwemmt. Die Charité stand immer im Vordergrund, dahinter haben sich die restlichen Themen eingegliedert. Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass die Frauenbewegung etwas zu kurz kommt, weil es keine ständigen Erwähnungen davon gibt oder man einige Seiten nichts zu dem Thema liest.

Als Setting dient, bis auf zwei-drei kleine Ausnahmen, durchweg Berlin. Hierbei steht natürlich die Charité im Vordergrund, sie ist der Ort, wo die meiste Handlung stattfindet. Obwohl ich schon einiges über das berühmte Krankenhaus gelesen und gesehen habe, fand ich es etwas schwierig, mir die Gebäudeanordnung vorzustellen. Einige Räume, seien es Büros, Krankenzimmer oder die privaten Zimmer der Ärzte konnte ich mir dagegen wirklich gut vorstellen, auch wenn sie nicht bis ins kleinste Detail beschrieben wurden.
Sehr lebendig und authentisch wurden die Gängeviertel dargestellt, die sofort ein Bild entstehen lassen haben und von deren Darstellung ich beeindruckt bin. Mit wenigen Worten wurde ein so klares Bild erschaffen und so makaber es klingt, fand ich viele Kapitel, die dort gespielt haben, am besten. Die ganze Stimmung der Bewohner, aber auch der ärmlichen Behausungen wurde so fassbar beschrieben, dass ich mich selbst beim Lesen nicht gut gefühlt habe.

Wie immer wird sich mein letzter Punkt um die Protagonisten drehen. Im Grunde gibt es eine recht überschaubare Anzahl an Hauptcharakteren, diese beschränken sich eigentlich auf recht wenige, die mir auch stets im Gedächtnis geblieben sind. Dazu kamen noch einige Nebenprotagonisten, mit denen ich ein paar mehr Probleme hatte. Dazu zählen eigentlich fast nur die Ärzte, die irgendwann in der Handlung aufgetreten sind oder von denen es ab und an eine Erwähnung gab. All die Namen, mit den Fachbezeichnungen konnte ich mir partout nicht merken, das waren für mich wirklich zu viele.
Die Nebencharaktere, seien es die Verwandten oder Freunde von Rahel und Barbara waren ziemlich herzlich und lebendig gezeichnet. Mit ihnen hatte ich keine Probleme und ich fand es interessant, wie unterschiedlich die ganzen Charaktere waren und welchen Interessen sie nachgingen. So wurde ein breites Bild an verschiedenen Persönlichkeiten geboten.
Stets im Vordergrund stehen Barbara und Rahel. Beides sind emanzipierte junge Frauen, die für ihre Anerkennung kämpfen, wenn auch etwas unterschiedlicherer Art. Rahel möchte von den durchweg männlichen Kollegen anerkannt werden, Barabara möchte mehr Freiheiten und Rechte für alle Frauen.
Beide waren mir nach kurzer Zeit sympathisch und fand es toll, wie unterschiedlich die Charaktere dargestellt wurden. Während Rahel zum Beispiel zurückhaltend dargestellt wurde, ist Barbara das genaue Gegenteil. So ergänzen sich die beiden Frauen vollkommen und ich fand es schön, dass sie sich angefreundet haben und in der anderen eine aufrichtige Freundin gefunden haben. Leider fand ich die Freundschaft manchmal nicht wirklich herzlich dargestellt, dann schienen sie eher steif und distanziert miteinander umzugehen.

Fazit:

Zwar konnte ich von dem Buch nicht so viel am Stück lesen, weil ich immer wieder Zeit brauchte, um alles zu verarbeiten und darüber nachzudenken, doch am Ende habe ich das Gefühl, ein ganzes Stück schlauer geworden zu sein. Mir hat die Geschichte richtig gut gefallen, ich fand es unglaublich, wie viele historische Aspekte eingebunden wurden und das diese schnell einprägsam waren.
Zwei kleine Kritikpunkte muss ich leider anbringen. Zum einen hat mir ein Personenverzeichnis gefehlt, was aber das kleinere Übel ist. Ich hatte ab und zu arge Probleme beim Lesen, wenn medizinische Sachverhalte und Forschungsergebnisse dargestellt wurden. Vielleicht habe ich auch nur Wissenslücken und eigemtlich sind diese Dinge leicht nachvollziehbar, mir haben sie etwas meine Lesefreude getrübt.

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
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Montag, 16. September 2019

Rezension: Mein Weihnachtswunsch bist du von Jenny Hale

Titel: Mein Weihnachtswunsch bist du
Originaltitel: All I want for Christmas (aus dem Amerikanischen von Kerstin Ostendorf)
Autorin: Jenny Hale
Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 303 Seiten
Preis: 9,90 €
Erscheinungsdatum: 28.09.2018
 ISBN: 978-3-404-17746-2


Handlung:

Evergreen Hill war für Leah schon immer ein Zufluchtsort. Und sie war sich auch immer sicher, eines Tages dort mit ihrer Tochter Sadie zu leben. Als Leah das Haus erbt, ist ihre Freude erst riesengroß, doch es gibt einen Hacken. Eine Hälfte des Hauses erbt David, ein Freund Leahs aus Kindertagen. Leah kann sich mit der Entscheidung nicht anfreunden und kommt zu einer Entscheidung, mit der sie sich aber nie vollkommen anfreunden kann. Doch das Schicksal hat noch etwas bestimmtes mit den Bewohnern von Evergreen Hill vor...

Meinung:

Mir gefällt das Cover wirklich gut. Es wird eine weihnachtliche Szene gezeigt, im Hintergrund richtig schön beleuchtete Häuser, ein tiefblauer Himmel und Schneeflocken. Im Vordergrund ein Pärchen, welches scheinbar die Zeit vergisst und vollkommen aufeinander konzentriert ist. Dazu gibt es an den Seiten wunderbar altmodische Laternen, die es so leider nur noch selten gibt. Es gibt auch ein schönes Detail, sowohl der Titel, als auch die Schneeflocken sind mit Struktur aufgebracht, was das Cover interessant macht und ein toller Effekt ist.

Eigentlich habe ich ja ein wenig das Problem, dass mir weihnachtliche Bücher meist etwas zu kitschig und schnulzig sind. Trotzdem will ich nicht auf weihnachtliche Bücher verzichten und suche ausgewählte Bücher aus, in der Hoffnung, dass sie mir am Ende gefallen. Bei dem Buch habe ich einen recht guten Fang gemacht, es hatte kleine Punkte, die ich etwas überstürzt und damit unrealistisch fand. Doch im Gesamten betrachtet war es stimmungsvoll, liebevoll geschrieben und eine nette Lektüre für zwischendurch.

Die Schreibweise war einfach gehalten, sie war nicht sonderlich anspruchsvoll, aber genau das finde ich in passend für einen winterlichen Roman. Mit einfachen Worten ist es der Autorin wirklich gut gelungen, die Orte zu beschreiben und ihnen eine bildliche Beschreibung zu verpassen. Besonders bei verschiedenen Räumen in Evergreen Hill hatte ich ein detailliertes Bild vor Augen. Zudem konnte sie die Stimmung wirklich gut wiedergeben und übermitteln. Es war schrittweise immer mehr zu spüren, wie immer mehr weihnachtliche Vorfreude reingemischt wurde, sei es durch die Erwähnung von Dekoration, Schneefall oder Leckereien. Dadurch kam auch bei mir direkt Vorfreude auf die Weihnachtszeit auf, auch wenn diese noch ein bisschen entfernt ist.
Bis ungefähr auf Seite 60 kam ich mit dem Lesen nicht so schnell voran, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich konnte immer nur ein paar Seiten auf einmal lesen und habe mich schnell ablenken lassen. Es musste erst mal ein Knoten platzen, danach habe ich das Buch kaum noch aus der Hand gelegt.

Auf den knapp 300 Seiten vergehen nur wenige Wochen, die Handlung beginnt irgendwann in der Vorweihnachtszeit und endet kurz nach dem Weihnachtsfest. Dazu gibt es noch einen Epilog, der einen Ausblick auf die Zukunft gibt und einige Monate nach der eigentlichen Handlung stattfindet. An sich ist die Handlung fix fortgeschritten, es gab keine Längen, die Ereignisse wurden knapp und präzise beschrieben. Doch eine richtige Orientierung für den Leser, wie viel Zeit seit dem Beginn vergangen ist, gibt es nicht. Das hat mir auch wirklich etwas gefehlt, so hatte ich den Eindruck, die Handlung findet in zwei Wochen statt und vielleicht habe ich auch gerade deshalb den Eindruck, dass einiges sehr überstürzt passiert ist.

Wie ich schon erwähnt hatte, gab es wirklich wunderbare Beschreibungen der Häuser. Evergreen Hill war einfach traumhaft beschrieben und auch das kleine Mietshäuschen von Leah hatte viel Charme und verströmte Gemütlichkeit. Ich fand es richtig gut, dass die Handlungsorte arg beschränkt wurden, nur ein paar Orte wie ein Café oder Läden in der Stadt kamen hinzu. Ansonsten fand die restliche Handlung vollkommen auf Evergreen Hill statt und vielleicht kam es mir deshalb so vor, als würde ich das Haus kennen und vieles mit eigenen Augen sehen.

Eigentlich fand ich, dass die Geschehnisse recht gut beschrieben wurden, es gab kein unnötiges Drama und vieles erschien ganz realistisch. Zwar verstehe ich immer noch nicht, weshalb Leah als Enkelin das Haus nicht vollkommen geerbt hat, aber damit habe ich mich abgefunden.
Ich fand es merkwürdig, wie schnell sich Leah und David mit der Situation abgefunden und eine Lösung gefunden haben. Hier hätte ich mir auch gerne mal ein Streitgespräch gewünscht, es wäre mehr Spannung in den Roman gekommen, was wirklich nicht schlecht gewesen wäre. So gab es für mich keine Spannungskurve.
Ich fand es wirklich gut, wie schnell Leah und David einen Draht zueinander gefunden haben und über all die Jahre gesprochen haben, in denen sie sich nicht gesehen haben. Das hat gezeigt, dass Freundschaften auch viele Jahre überdauern können. Doch zwischen den beiden hat sich etwas mehr entwickelt und das ging mir zu schnell, wenn man beachtet, dass nur wenige Wochen in dem Roman beschrieben werden.

Leah fand ich als Hauptprotagonistin wirklich gut. Sie trat couragiert, freundlich und meistens ziemlich selbstbewusst auf, hatte Zweifel und Probleme. Kurz gesagt: Leah war nicht perfekt und genau das hat sie menschlich gemacht. Mit ihrem Charakter hatte ich absolut kein Problem, sie war mir sofort sympathisch und ich habe gerne von ihr gelesen.
Besonders schön geschildert wurde die Freundschaft mit ihren beiden besten Freundinnen. In diesen ist Leah mehr aus sich heraus gekommen, wurde witziger und zeigte noch einmal eine andere Seite. Insgesamt fand ich diese Szenen immer äußerst lebhaft beschrieben und teilweise fühlte es sich so an, als würde man mit den drei Frauen in einem Raum sein.
Sadie war ein unglaublich goldiger Charakter und mein Liebling in dem Buch. Sie hatte ein wunderbares Wesen, war freundlich, süß und herrlich altklug. Manchmal wirkte Sadie schon arg reif und erwachsen für ihr Alter, was mich aber absolut nicht gestört hat. Im Gegenteil. Es hat zu ihrer ganzen Darstellung gepasst und ich habe mich gefreut, dass sie ständig aufgetaucht ist und im Roman eine große Rolle einnimmt.
Lediglich mit David bin ich etwas unzufrieden. Was hat der Mann für Ecken und Kanten? Ist er wirklich so perfekt, wie er dargestellt wird? David war freundlich, sympathisch, auf das Wohl anderer bedacht, spendabel, kinderlieb, ein Familienmensch, intelligent und dazu wird er noch als verdammt gutaussehend beschrieben. Mir war das zu viel des Guten. Grundzüge an ihm fand ich richtig gut, ich fand es toll, wie er sich mit Sadie verstanden hat und auch seine Sorgen um seine Mutter zeigten eine sympathische Seite. Doch irgendwann fand ich es etwas gruslig, wie viele Überraschungen er stets hatte und er war insgesamt zu gut für die Welt.

Fazit:

Die Geschichte verströmte eine tolle weihnachtliche Atmosphäre, war lebendig geschildert und hatte zwei tolle Damen in der Hauptrolle: Sadie und Leah. Beides sind tolle Wesen und ich habe gerne Zeit mit ihnen verbacht. Dazu war die Schreibweise wirklich angenehm, das Setting traumhaft und es wurde eine stimmungsvolle Atmosphäre verbreitet.
Leider habe ich zwei kleine Kritikpunkte, für die ich gesamt einen Stern abziehe. Dazu zählt die Darstellung von David, die zu positiv ist, und die teilweise überstürzten Ereignisse, besonders die anbahnende Liebelei zwischen Leah und David.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

MarySophie 

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Samstag, 14. September 2019

Rezension: Die Schwestern vom Ku'damm - Wunderbare Zeiten

Titel: Die Schwestern vom Ku'damm - Wunderbare Zeiten
Autorin: Brigitte Riebe
Verlag: Wunderlich
Seitenzahl: 448 Seiten
Preis: 19,95 €
Erscheinungsdatum: 17.09.2019
ISBN:  978-3-8052-0334-0


Handlung:

Berlin 1952
Langsam läuft es im Leben der Thalheims wieder rund. Das Kaufhaus läuft bestens, mittlerweile werden immer mehr Artikel geboten und die Damen der Stadt besuchen nur zu gerne das Geschäft. Für Rike hat das Kaufhaus zwar immer noch oberste Priorität, langsam widmet sie sich aber auch mehr dem Familienleben mit ihrem Ehemann. Und auch Silvie ist vollkommen zufrieden. Sie arbeitet weiterhin beim RIAS als Rundfunkredakteurin und immer wieder hat sie Ideen für neue Formate. Trotzdem lauert in ihrem Kopf immer ein kleines Mantra, welches sich nicht verscheuchen lässt.
Am meisten Sorgen macht Silvies Zwillingsbruder Oskar. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg hat er einen leitenden Posten im familiären Betrieb inne, mit dem er sich nicht anfreunden kann. Zu sehr lauern die Vergnügen der Stadt auf ihn. Außerdem weiß er Freund und Feind nicht recht auseinanderzuhalten. Oskar stürzt den Familienbetrieb in eine Krise und langsam erkennt Silvie, dass sie auch Verantwortung für das Kaufhaus übernehmen muss.

Meinung:

Auf den ersten Blick zeigen sich beim Cover Ähnlichkeiten zu dem ersten Teil. Hier dominieren jedoch andere Farben und auch die Dame entspricht der Hauptprotagonistin des Buches, Sylvie Thalheim. Diese wirkt selbstbewusst und aufrichtig, sie weiß, was sie will und was ihr steht. Ihre Kleidung entspricht ganz dem Stil der damaligen Zeit und für mich ist sie mittlerweile das Gesicht von Sylvie. Im Hintergrund zeigt sich eine Szene aus dem Alltag. Die Stadt wirkt bunt und authentisch, es sind einige Autos zu sehen und im Vergleich zu dem Cover des ersten Teils wirkt die Szene lebendig. Vielleicht soll so gezeigt werden, dass die Welt sich von dem Zweiten Weltkrieg langsam erholt... Obwohl das Cover aufwendiger wirkt, als das vom ersten Teil, finde ich es trotzdem noch recht schlicht und auf jeden Fall ansprechend.
Glücklicherweise habe ich den ersten Teil der Trilogie erst vor kurzer Zeit gelesen, ich konnte mich noch vollkommen an die Handlung erinnern und hatte auch die Protagonisten noch im Gedächtnis. Von dieser Seite her gab es für mich keine Probleme mit dem Lesen. Ich musste mich aber erst etwas daran gewöhnen, dass sicch die Handlung um die Mittlere der Thalheim-Schwestern dreht. Das war wirklich eine Umgewöhnung, schon auf wenigen Seiten wurden die Unterschiede im Denken und Handeln zwischen Sylvie und Rica sichtbar. Nach vielleicht 50 Seiten hatte ich mich dann an diesen Umstand gewöhnt und konnte mich beim lesen zurücklehnen und der Handlung eifrig folgen.

Mir hat es richtig gut gefallen, dass nicht erst viele Details aus dem ersten Teil wiederholt wurden, sondern die Handlung direkt gestartet hat. Es gab ab und an kleine Andeutungen auf den ersten Roman, die einige Informationen wieder ins Gedächtnis rufen. Insgesamt kann ich nur empfehlen, vorher den ersten Teil zu lesen, um einige Aussagen und Umstände besser zu verstehen und vollkommen aufzunehmen. Ansonsten stelle ich mir es ab und an etwas schwer vor, den Aussagen einiger Protagonisten zu folgen.

Ich erinnere mich noch an meine Rezension zu dem ersten Teil, ich hatte bemängelt, dass es keinen fließenden Übergang zwischen dem Prolog und der eigentlichen Handlung gab. Bei diesem Buch sieht das ganz anders aus. Fließend geht die Handlung über, ich musste nicht erst innehalten, um die Situationen zu verbinden und konnte direkt weiterlesen. Hat mir sehr gut gefallen.
Auch die Schreibweise empfand ich wieder als richtig gut. Sie war flüssig, angenehm und nicht zu einfach, immer mit etwas Anspruch. Dazu haben die Protagonisten gezielt ihren Dialekt eingesetzt, was immer eine kleine Auflockerung der gerade erzählten Ereignisse war. Außerdem wurde so auch teils eine unterhaltsame Note in die Handlung gebracht.
Flüssig in die Beschreibungen wurden historische Details eingebracht. Es gab immer einen sehr passenden Zusammenhang zu den Erlebnissen der Protagonisten und die historischen Informationen waren breit gefächert. Nicht nur die politische Situation in Deutschland wurde angesprochen, sondern auch Ereignisse aus anderen Ländern.

Teilweise fand ich die Handlung leider etwas zu beladen. Es gab immer irgendwelches Drama in der Familie, was ich an sich in Ordnung finde. Es treffen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Charakteren aufeinander, was eigentlich lebendig wirkte und teilweise wurden normale Streitigkeiten erzählt. Doch manchmal war es mir zu viel Drama, was alles passiert ist. Seien es Unfälle, Entführungen oder Erpressungen, immer ist etwas passiert und ich hätte mir mehr ruhigere Kapitel gewünscht, wo z.B.: über die Politik diskutiert wird.

Am Ende des Romans gibt es ein wunderbares kleines Detail, welches noch mal einen groben Rückblick auf die Handlung, vor allem aber auf Geschehnisse in Berlin zwischen 1952 bis 1957 gibt. Es wurde eine Zeittafel angefügt, die ich wirklich wunderbar finde. So ist es möglich, das Gelesene noch mal Revue passieren zu lassen und sich dazu passend einige Details der Handlung ins Gedächtnis zu rufen. Dadurch gibt es ein rundes Ende und ich bilde mir ein, dass sich einige Informationen besser in meinem Gedächtnis festsetzen.

Als Setting dient in diesem Teil fast nur die Stadt Berlin. Es gibt kleine Ausflüge an andere Orte, die jedoch nur wenige Seiten umfassen. Diesmal wirkte die Stadt zwar belebter, auf mich jedoch nicht so eindrucksvoll. Es gibt immer noch einige, tolle Umschreibungen mancher Orte, egal, ob sie noch zertrümmert oder wieder aufgebaut sind. Jedoch hielten sich diese in Grenzen, traten nicht so häufig auf. Es schien als hätte Silvie nicht so arg darauf geachtet, ich hatte das Gefühl, dass bei ihr die Mode eine größere Rolle spielt. Es gibt arg viele Hinweise, was sie oder auch andere Protagonisten gerade tragen oder was derzeit modern ist. Gleichzeitig passt diese Thematik auch sehr gut zu dem ganzen Buch, wo es sich oft um das Kaufhaus dreht. Auch wenn hier Silvies Leben, oft auch außerhalb des Geschäftes, beschrieben wird und das Kaufhaus eine etwas untergeordnete Rolle spielt.

Während im ersten Teil Rica zwar klar im Vordergrund stand, aber auch ihre Familienmitglieder eine größere Rolle einnahmen, liegen hier die Dinge anders. Silvie ist die klare Hauptprotagonistin, daneben wirken die anderen Charaktere etwas blass und sie agiert meist allein. Sowohl von Rica, aber auch von ihrem Vater oder der Stiefmutter ist nur noch wenig zu lesen, was ich etwas merkwürdig fand. Außerdem wurden die weiteren Personen dadurch nicht so lebendig, sie tauchten kaum auf und konnten nicht hervorstechen.
Die Anzahl der Charaktere wurde recht klein gehalten, abgesehen von der Familie Thalheim und Silvies Freunden gibt es nur wenige weitere Protagonisten. Einige sind noch aus dem ersten Teil bekannt, nur eine sehr geringe Anzahl taucht neu auf.
Ich musste mich erst etwas an Silvies offene, unverblümte Art gewöhnen. Von Anfang an empfand ich sie als freundlichen Menschen mit einem guten Herz und schnell wurde sie mir sympathisch. Ganz besonders toll empfand ich immer ihren Wunsch nach Freiheit, aber auch den, dass Leben nicht zu ernst zu nehmen. Dadurch brachte sie viel Schwung in die Handlung, neue Energie und hebt sich stark von dem Rest der Familie ab.

Fazit:

Die Handlung hat mir wirklich gut gefallen und ich bin gerade mehr als gespannt auf den dritten Teil, weil ich mir noch gar nicht vorstellen kann, wie es mit der jüngsten im Bunde, Florentine, weitergehen wird.
Ich muss leider sagen, dass mir dieser Teil nicht ganz so gut gefallen hat, wie der erste. Ich fand es schade, dass die gesamte Handlung sehr Silvie-bezogen war und die anderen Mitglieder der Familie etwas schwach daherkamen und nicht recht lebendig wurden. Dazu war mir die Handlung innerhalb der Familie Thalheim etwas hektisch und zu übertrieben dargestellt.
Richtig gut gefallen hat mir die Schreibweise, aber auch die wunderbare Einbindung der historischen Details, die für mich das Highlight des Buches waren. Es gibt wirklich die Möglichkeit, sich neues Wissen anzueignen und die Situationen an einem lebendigen Beispiel zu sehen. Auch Silvie hat mir recht gut gefallen, sie war ein lebendiger, freundlicher Charakter, der mir schnell sympathisch wurde und der ich nur das Beste gewünscht habe.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

MarySophie 

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 
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